Seit fast einem Monat treibt ein Koloss von über zwölf Tonnen in flachen Ostseegewässern – hilflos, geschwächt und doch immer wieder für eine Überraschung gut. Wer ist Timmy, warum bleibt er, wo andere Buckelwale längst den Rückweg antreten würden, und vor allem: Was geschieht als Nächstes?
Ein Wal sorgt für landesweite Aufregung

Über Tage hinweg war von Uferpromenaden kaum mehr als ein einziger Name zu hören: Timmy. Der gewaltige Buckelwal tauchte Ende März erstmals in der Wismarer Bucht auf, verirrte sich, strandete – und schwamm sich dennoch stets wieder frei. Kamerateams, Drohnen und neugierige Spaziergänger belagerten die Deiche, während Meeresbiologen fieberhaft versuchten zu verstehen, wie eine Arglosigkeit in die Ostsee derart ausufern konnte.
Mit jeder erneuten Strandung wuchs jedoch nicht nur das Mitgefühl, sondern auch die Sorge. Dem Tier wurden erst schleppende Bewegungen, dann sichtbare Hautschäden attestiert. Fachleute mahnten, Timmy trage womöglich ein Fischernetz im Maul, das ihn am Jagen hindere. Gleichwohl blieb die Hoffnung: Weckte man seinen Instinkt rechtzeitig, könnte er den gefährlichen Flachwasserzonen entkommen.
Das Krisen-Team ringt um Entscheidungen

Binnen kürzester Zeit formierte sich eine Rettungskoalition aus Tierschutzvereinen, Küstenwache, Forschungseinrichtungen und Landesbehörden. Luftkissen wurden organisiert, um den Giganten beim nächsten Niedrigwasser abzustützen. Lautsprecher spielten Buckelwalgesänge ab, in der Hoffnung, Timmy folge artgenössischen Rufen Richtung offene See.
Doch die Realität erwies sich härter als jedes Protokoll. Jeder Befreiungsversuch scheiterte an Sandbänken, der schieren Masse des Wals oder schlicht an seiner Erschöpfung. Während das Wasser um Timmy sank, stiegen die Emotionen an Land. In sozialen Netzwerken forderten Hunderttausende, „alles Menschenmögliche“ zu unternehmen – inklusive einer Fütterung, um das Tier zu stärken.
Die entscheidende Frage: Füttern oder nicht?

Lange hielt sich das Gerücht, ein gezieltes Zufüttern von Herings-Eimischungen könne Timmy aufpäppeln, bis er stark genug sei, weiterzuziehen. Hinter verschlossenen Türen diskutierten Veterinäre, ob die Magenpassage eines geschwächten Buckelwals eine künstliche Nährstoffgabe überhaupt verkraftet. Gleichzeitig warnte das Umweltministerium: Lockfutter könnte den Wal an den Strand binden statt ihm die Flucht schmackhaft zu machen.
Gestern Abend fiel die endgültige Entscheidung. Eine interdisziplinäre Kommission kam nach Auswertung aller Gesundheitsdaten zum Schluss, dass eine Fütterung nicht nur wirkungslos, sondern sogar gefährlich wäre. Das Tier verliere dabei kostbare Energie, da es Nahrung im Flachwasser nicht richtig aufnehmen und verdauen könne. Zudem bestehe das Risiko, Timmy an seinem jetzigen Standort zu „konditionieren“. Das Urteil lautet daher klar: Nein – Timmy wird nicht gefüttert. Stattdessen konzentriert man sich nun auf Stressreduktion, sanfte Lenkungsversuche bei Hochwasser und die lückenlose Überwachung seines Zustands. Ob dieser Plan aufgeht, ist offen – doch eines steht fest: Die letzte Chance für Timmy entscheidet sich nicht im Futtereimer, sondern auf der nächsten Flutwelle.