Ein flammender Feuertornado fraß sich gestern Abend in eine scheinbar idyllische Waldlandschaft – begleitet von dumpfen Detonationen, die bis in die umliegenden Ortschaften hallten. Noch immer ist unklar, wie weit sich der Waldbrand ausgebreitet hat und welche Gefahren in der Glut lauern.
Feuerball über den Baumwipfeln

Zeugen berichten von einer „glühenden Wand“, die kurz vor Sonnenuntergang plötzlich am Horizont aufstieg. Funkenregen und dichter Rauch verwandelten den Himmel in ein bedrohliches Rot, während die erste Munition im Untergrund zu knallen begann. Viele Anwohner standen fassungslos an Fenstern und Balkonen, hörten die Einschläge – und wussten doch nicht, was genau dort brennt.
Löschflugzeuge mussten bereits kurz nach Einbruch der Dunkelheit abdrehen, weil ständig neue Explosionen das Areal erschütterten. Ein Feuerwehrsprecher sprach von „unkalkulierbarer Explosionsgefahr“, da im Boden noch zahllose Altlasten aus Militärzeiten stecken.
Rettungskräfte im Wettlauf mit der Zeit

Über Nacht legten Spezialteams Brandschutzstreifen an, doch die extreme Trockenheit und auffrischender Wind ließen die Flammen immer wieder überspringen. „Wir können nicht wie gewohnt vorrücken“, klagte ein Einsatzleiter – zu groß sei das Risiko, dass unter den Reifen plötzlich alter Sprengstoff detoniert.
Stattdessen kreisten ab dem frühen Morgen Löschhubschrauber, warfen Tausende Liter Wasser ab und markierten Brandnester mit Infrarotkameras. Doch selbst aus der Luft bleibt der Einsatz schwierig: Hitzeaufwinde reißen das Löschwasser teils wieder hoch, Funken werden kilometerweit verweht.
Urlaubsträume in Rauch gehüllt

Mitten in der beginnenden Feriensaison wurden Campingplätze und Ferienwohnungen in Alarmbereitschaft versetzt. Touristen filmten die Feuerwalze, bis die Polizei sie aufforderte, sich ins Gebäudeinnere zu begeben. Restaurants schlossen früh, weil beißender Qualm selbst durch gekippte Fenster drang.
Naturschützer sorgen sich derweil um seltene Tierarten. Die Region beherbergt geschützte See- und Fischadler, Rotwild und uralte Kiefernbestände. „Selbst wenn die Flammen hier stoppen, droht eine ökologische Katastrophe“, warnt ein Ranger – schließlich könnten Blindgänger noch jahrelang Brände auslösen.
Ort des Schreckens: Müritz-Nationalpark bei Neustrelitz

Erst am Vormittag bestätigten Behörden offiziell, wo sich das Drama abspielt: im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern, nur wenige Kilometer südlich von Neustrelitz. Das Feuer wütet auf einem ehemaligen sowjetischen Schießplatz, dessen Böden mit nicht geräumter Munition gespickt sind. Rund 80 Hektar Wald stehen laut Einsatzkräften bereits in Flammen – Tendenz steigend.
Die Lage bleibt kritisch: Solange Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke herrschen und der Wind nicht nachlässt, ist ein kontrolliertes Ablöschen kaum möglich. Experten befürchten, dass sich die Brandfläche weiter in den Nationalpark frisst, sollten Regenfälle weiterhin ausbleiben. Endgültige Entwarnung könnte es erst geben, wenn jede einzelne Brandstelle auf dem explosiven Gelände restlos ausgekühlt ist – und das kann Tage dauern.