Er blüht malerisch in zartem Rosa – und doch warnen Experten aktuell eindringlich davor, ihn im eigenen Garten zu dulden. Hinter der hübschen Fassade verbirgt sich eine Gefahr, die sich rasend schnell ausbreitet und selbst erfahrene Hobbygärtner überrascht.
Ein grüner Wolf im Schafspelz

Viele Gartenbesitzer freuen sich über jede bunte Blüte, die den Sommer verschönert. Gerade diese Pflanze wirkt auf den ersten Blick wie ein willkommener Farbtupfer zwischen Rosen, Lavendel und Co. Mit ihren langen Trieben und den zarten, orchideenähnlichen Blüten zieht sie alle Blicke auf sich – und macht sich dabei still und leise breit.
Dabei merkt oft niemand, dass der Neuling schon nach wenigen Wochen dicht schließende Bestände bildet. Unter seinem dichten Blattwerk bekommen heimische Arten kaum noch Licht, Wasser oder Nährstoffe. Was als dekorativer Akzent beginnt, kann das ökologische Gleichgewicht im Garten binnen einer Saison aus der Bahn werfen.
Versteckte Gefahr für Umwelt und Tiere

Die Pflanze wächst bis zu zweieinhalb Meter hoch, beschattet alles unter ihr und verdrängt so zarte Ufer- und Schattenstauden. Ihre süßen Blüten locken zwar Hummeln und Bienen an, doch das Nahrungsangebot für Wildinsekten wird einseitig: Andere Blütenpflanzen finden keinen Platz mehr und verschwinden.
Besonders problematisch sind die explosiv aufspringenden Samen. Bei Reife schleudern die Kapseln Tausende Körner bis zu sieben Meter weit – jeder Windstoß hilft, neue Kolonien zu gründen. Gelangen die Samen in Kompostieranlagen, überstehen sie dort die üblichen Temperaturen und finden mit der nächsten Kompostgabe auch noch den Weg in fremde Beete.
Was passiert, wenn man nichts unternimmt?

Lässt man der invasiven Pflanze freien Lauf, erobert sie nicht nur Gärten, sondern auch Bach- und Flussüfer. Dort unterdrückt sie Wurzelpflanzen, die Böschungen festigen. Nach dem winterlichen Absterben bleibt der Boden kahl zurück, Erosion und Überschwemmungen nehmen zu – ein Problem, das Landschaftspfleger in ganz Deutschland schon heute beschäftigt.
Zudem treibt der hohe Stickstoffbedarf des Neophyten die Nährstoffverarmung anderer Gewächse voran. Behörden in mehreren Bundesländern raten daher inzwischen dringend dazu, die Pflanze vor der Blüte auszureißen – idealerweise samt Wurzelstock – und über den Restmüll, nicht über den Kompost, zu entsorgen.
Die Pflanze mit dem explosiven Temperament: **Indisches Springkraut**

Jetzt ist das Rätsel gelüftet: Bei dem ungebetenen Gast handelt es sich um das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera). Ursprünglich aus dem Himalaya eingeführt, gilt es heute als eine der aggressivsten invasiven Pflanzen Europas. Wer seine Verbreitung stoppen will, sollte junge Triebe schon im Mai oder Juni jäten und größere Exemplare vor der Samenreife abschneiden.
Entsorgen Sie die Pflanze stets luftdicht verpackt im Hausmüll oder in eigens ausgewiesenen Sammelstellen. Nur so verhindern Sie, dass sich die hartnäckigen Samen weiterverbreiten. Wer früh handelt, schützt nicht nur den eigenen Garten, sondern leistet auch einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt vor der Haustür.