Noch ist es ruhig auf Deutschlands Asphalt – doch das Verkehrsministerium hat soeben den Startschuss für 23 Großbaustellen gegeben, die Pendlerinnen und Pendler schon bald an den Rand der Geduld treiben dürften. Milliarden fließen in neue Fahrspuren, Ortsumfahrungen und Tunnel – und damit in eine gewaltige Stauwelle, die das Land von Nord bis Süd erfasst.
Der Paukenschlag aus Berlin

Kaum hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder das Mikrofon ergriffen, war klar: Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Rund 4,3 Milliarden Euro lässt sich der Bund die 23 Projekte kosten – davon allein 3,6 Milliarden für Autobahnen. Für Autofahrende bedeutet das vor allem eines: kilometerlange Stoppschilder auf den wichtigsten Ost-West- und Nord-Süd-Achsen.
Dabei geht es nicht nur um ein paar Ausbesserungen. Ganze Anschlussstellen werden verlegt, marode Steigungen neu gebaut und Ortskerne vom Durchgangsverkehr befreit. Doch wo wird es zuerst eng? Wer jetzt auf der A8 unterwegs ist, sollte schon mal den Tempomat rausnehmen.
Lass uns weiterschauen, welche Fernstraßen gleich hinterherziehen …
Albaufstieg – das erste Nadelöhr

In Baden-Württemberg steht der legendäre Albauf- und -abstieg der A8 (Mühlhausen–Hohenstadt) auf dem Plan: Sprengungen, Tunnelarbeiten und eine Komplettverbreiterung machen die Steilstrecke vorübergehend zur Geduldsprobe. Schon ein einziger Auffahrunfall kann hier den Feierabendverkehr bis nach Stuttgart zurückstopfen.
Doch die Schwaben sind nicht allein. Weiter südlich legt Bayern nach – mit gleich sieben Großbaustellen. Von der Verlegung der B11 bei Schweinhütt bis zur Totalsanierung des A3-Teilstücks bei Deggendorf kippt der Freistaat eine Lawine in Richtung Ferienverkehr.
Und wir haben Nordrhein-Westfalen noch gar nicht erwähnt …
Staustaat NRW – Vier Flaschenhälse in Serie

Im Westen schlägt das Stau-Herz besonders laut: Die A43 zwischen Bochum-Gerthe und Bochum-Riemke wird zur Dauerbaustelle, parallel wird die A57 in Krefeld aufgerissen. Wer lieber Bundesstraßen fährt, kommt ebenfalls nicht davon – B64 und B83 rund um Höxter werden gleichzeitig modernisiert. Das bedeutet: Umleitungen durch Dörfer, die schon bei normalem Verkehr am Limit sind.
Spediteure rechnen mit Mehrkosten in Millionenhöhe, Kommunen mit verärgerten Anwohnenden. Doch auch Hessens Pendler sollten jetzt das Radio lauter stellen, denn dort wartet ein Trio unangenehmer Überraschungen …
Hessische Hürden und bayerische Baustellen

B44 bei Groß-Gerau, B49 bei Gießen und B275 bei Idstein – gleich drei Bundesstraßen werden hier gleichzeitig aus dem Dornröschenschlaf gerissen. Wer täglich den Flughafen Frankfurt anpeilt, braucht bald einen Alternativplan.
Weiter südöstlich rückt Bayern seine ländlichen Schneisen in die Neuzeit: B25-Umfahrung Dinkelsbühl, B299 bei Waldsassen und B303 bei Sonnefeld. Touristinnen, die eigentlich die Romantische Straße genießen wollten, erleben stattdessen ein Panorama aus Baggern und Leitkegeln.
Und was macht der Norden? Der holt zum ganz großen Wurf aus …
Küstenchaos – die A20 kommt doppelt dran

Selten war die Nord-Süd-Lifeline so unter Druck: A20 Westerstede–Jaderberg (Niedersachsen) und A20 Wittenborn–Weede (Schleswig-Holstein) werden zeitgleich saniert – für Ostsee-Fans das Stau-Äquivalent zu Gegenwind in Windstärke 10. Zusätzliche Bremsklötze legt Mecklenburg-Vorpommern mit der B110-Umfahrung Dargun und Brandenburg mit der B112 bei Frankfurt (Oder).
Auch in Sachsen und Thüringen wird gebohrt und gefräst: B169 bei Salbitz sowie B4 im Sundhäuser Berge-Gebiet sind nur zwei Beispiele, wie die Stauwelle bis in den letzten Winkel der Republik schwappt.
Aber welche 23 Straßen sind es denn nun genau? Jetzt kommt die komplette Liste …
Das große Finale – alle 23 Baustellen auf einen Blick

Hier sind sie, sortiert nach Bundesland:
• Baden-Württemberg: A8 Mühlhausen–Hohenstadt
• Bayern: B11 Schweinhütt, B25 Dinkelsbühl, B173 Johannisthal–Kronach, B299 Waldsassen/Kondrau, B303 Sonnefeld–Johannisthal (3. BA), A3 Deggendorf–Hengersberg
• Brandenburg: B112 Frankfurt (Oder) (3. BA)
• Hessen: B44 Groß-Gerau/Dornheim, B49 Reiskirchen/Lindenstruth, B275 Idstein/Eschenhahn
• Mecklenburg-Vorpommern: B110 Dargun
• Niedersachsen: A20 Westerstede–Jaderberg
• Nordrhein-Westfalen: B64 Höxter, B83 Beverungen–Höxter, A43 Bochum-Gerthe–Riemke, A57 Krefeld-Oppum–Gartenstadt
• Rheinland-Pfalz: B50 „Zolleiche“, A1 Kelberg–Adenau
• Sachsen: B169 Salbitz–B6 (3. BA)
• Sachsen-Anhalt: B188 Miesterhorst
• Schleswig-Holstein: A20 Wittenborn–Weede
• Thüringen: B4 Sundhäuser Berge
Wer auf diesen Strecken pendelt, sollte jetzt schon Navi-Alerts und Ausweichrouten einstellen. Denn eines ist sicher: Die gewaltigste Baustellensaison seit Jahren steht vor der Tür – und sie rollt, sobald der erste Spatenstich fällt. Gute Fahrt – und starke Nerven!