Ein Mann fährt am Freitagvormittag (23. Oktober) mit dem Auto durch mehrere Wohnviertel und feuert in Salven auf Menschen auf der Straße. Ein Mensch stirbt, vier weitere werden verletzt, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Inzwischen ermittelt die Antiterror-Staatsanwaltschaft – auch wegen eines möglichen rassistischen Motivs.
Feuerstöße aus dem fahrenden Auto

Ein ganz normaler Freitagvormittag endet in einem Albtraum: Aus einem fahrenden Auto heraus eröffnet ein Mann das Feuer auf Passanten. Es gibt einen Toten und mehrere Verletzte – und schnell steht die Frage im Raum, ob hinter der Tat Hass steckt.
Die ersten Notrufe gingen nach Medienberichten gegen 10 Uhr ein, die Schüsse fielen laut Polizei gegen 10.30 Uhr. Der Täter soll in Feuerstößen geschossen haben, während er durch verschiedene Viertel fuhr. Nach Angaben des Innenministers wurde an drei verschiedenen Stellen geschossen.
Getroffen wurden laut einer Polizeiquelle, auf die sich die Nachrichtenagentur AFP beruft, nicht nur Menschen, sondern auch:
– ein Gesundheitszentrum
– mehrere Fahrzeuge
– ein Kinderspielplatz
Der Bürgermeister des ersten Tatorts sprach von „zahlreichen Schüssen in verschiedenen Vierteln der Stadt“.
Ein Toter – Mädchen (12) unter den Verletzten

Nach offiziellen Angaben kam ein Mensch ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Die Behörden betonten am Nachmittag allerdings, dass die Bilanz noch nicht endgültig sei.
Was bisher über die Opfer bekannt ist (Angaben aus Polizeikreisen, über die Medien berichten):
| Opfer | Alter | Zustand |
|—|—|—|
| Todesopfer | 26 Jahre | noch am Tatort gestorben |
| Mann | 21 Jahre | schwer verletzt, Lebensgefahr |
| Mann | 29 Jahre | von mehreren Kugeln getroffen |
| Mann | Ende 40 | verletzt, im Krankenhaus |
| Mädchen | 12 Jahre | schwer verletzt, Zustand stabilisiert |
Besonders erschütternd: Das zwölfjährige Mädchen wurde nach Medienberichten mehrfach getroffen und in eine Kinderklinik gebracht. Nach Angaben des örtlichen Bürgermeisters konnte ihr Zustand stabilisiert werden. Eine weitere Person erlitt einen schweren Schock und wird ebenfalls im Krankenhaus betreut.
Schnelle Festnahme: Was über den Verdächtigen bekannt ist

Lange konnte der mutmaßliche Schütze nicht flüchten. Eine Einheit der Polizei stoppte ihn kurz nach der Tat in einer Nachbargemeinde, er sitzt seitdem in Polizeigewahrsam.
Das ist bislang über den Mann bekannt:
– Er ist 39 Jahre alt.
– Er ist der Polizei laut Medienberichten wegen früherer Delikte bekannt, nicht aber den Geheimdiensten.
– Er soll in einer Stadt in der Nähe wohnen. Dort rückten später Spezialkräfte und Bombenentschärfer an.
– Er soll aus einem Kleinwagen vom Typ Renault Clio geschossen haben.
Besonders brisant ist die mutmaßliche Tatwaffe: Nach übereinstimmenden Medienberichten soll es sich um eine Maschinenpistole vom Typ Sten handeln – ein britisches Modell aus dem Zweiten Weltkrieg. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht. Der Innenminister sprach von einer Waffe, die „offenbar eine Kriegswaffe oder zumindest eine automatische Waffe“ gewesen sei.
Tatort nahe Paris: Antiterror-Staatsanwaltschaft übernimmt

Die Schüsse fielen in Frankreich, in den Gemeinden Trappes und La Verrière im Département Yvelines westlich von Paris. Laut Polizei begann die Tat in Trappes, anschließend fuhr der Mann ins angrenzende La Verrière weiter. Festgenommen wurde er in der Nachbargemeinde Coignières.
Der Tote, ein 26-Jähriger, wurde nach Polizeiquellen in Trappes getroffen, ebenso der lebensgefährlich verletzte 21-Jährige nahe einer Tankstelle an der Nationalstraße 10. Das zwölfjährige Mädchen sowie zwei Männer wurden in La Verrière angeschossen.
Die Nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft (PNAT) hat die Ermittlungen an sich gezogen. Ermittelt wird laut den Behörden unter anderem wegen:
– Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben
– des erschwerenden Umstands, dass die Taten wegen der tatsächlichen oder vermuteten Zugehörigkeit der Opfer zu einer Ethnie, Nation, „Rasse“ oder Religion begangen worden sein könnten
– Besitzes einer Waffe der Kategorie A
Ein mögliches rassistisches Motiv wird damit ausdrücklich geprüft. Trappes‘ Bürgermeister Ali Rabeh sagte dem Sender BFMTV, das Todesopfer sei afrikanischer Herkunft gewesen, ein lebensgefährlich Verletzter nordafrikanischer Herkunft. Endgültige Schlüsse wolle er aber nicht ziehen. Die Motive des Verdächtigen sind offiziell noch nicht geklärt.
Bürgermeister: „Er wollte ein Blutbad anrichten“

Die Tat erschüttert ganz Frankreich. Bürgermeister Rabeh schilderte gegenüber BFMTV, der Mann habe offenbar wahllos geschossen und „ein Blutbad anrichten“ wollen.
> „Es ist ein Wunder, dass es nicht mehr Opfer gibt.“
> – Ali Rabeh, Bürgermeister von Trappes, gegenüber BFMTV (übersetzt aus dem Französischen)
Premierminister Sébastien Lecornu sprach auf der Plattform X von „sehr schweren Taten“. Alle Kräfte der Sicherheitsbehörden und der Justiz seien voll mobilisiert. Innenminister Laurent Nuñez bestätigte, dass an drei verschiedenen Orten geschossen wurde.
Wie es jetzt weitergeht

Die Ermittler sichern Spuren, werten Zeugenaussagen und Überwachungskameras aus und rekonstruieren die Fahrtroute des Wagens. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum der 39-Jährige zur Waffe griff, woher die Maschinenpistole stammt und ob er allein gehandelt hat.
Die Stadt Trappes richtete eine psychologische Anlaufstelle für Anwohner, Opfer und Zeugen ein. Betroffene können sich in Frankreich zudem an die kostenlose Opferhilfe-Hotline 116 006 wenden.
Die Tat fällt in eine angespannte Zeit: Für Samstag sind in Frankreich erneut Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten angekündigt, die Regierung verstärkt deshalb ohnehin die Sicherheitskräfte im Land.