Explosion im Morgengrauen, dichter Qualm über einer der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt – und die Welt hält den Atem an. Das britische Militär bestätigt: Ein Frachtschiff steht in Flammen.
Flammen über Hormus: Die ersten Minuten des Notrufs

Kurz nach 07:00 Uhr deutscher Zeit knallt eine Mayday-Meldung in das Lagezentrum der Royal Navy: „Unbekanntes Projektil, Feuer an Bord!“ Auf Radarkarten leuchtet ein roter Punkt, Kurs Osten, 25 Seemeilen vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate. Binnen Sekunden geht das Notfallprotokoll des britischen Militärs in Serie.
Während Löschpumpen an Deck gegen die Flammen ankämpfen, zieht dichter, beißender Rauch über die enge Meerenge – nur 48 Kilometer breit, aber Dreh- und Angelpunkt für 20 Prozent des Weltölhandels.
Weiter geht’s mit der Spur des Frachters und seinem rätselhaften Namen …
Wer ist das Opfer? Rätsel um die „Safeen Prestige“

Erste Funksprüche nennen eine maltesische Flagge, dann fällt mehrfach der Name „Safeen Prestige“ – ein 300-Meter-Riese, beladen mit Containern und Industriegütern. Das Schiff war bereits vor einer Woche Ziel eines Drohnenangriffs und – ironischerweise – zur Reparatur vor Anker gegangen.
Maritime-Tracking-Daten zeigen: Heute Morgen stach die Prestige dennoch wieder in See, eskortiert von einem britischen Sicherungstrawler. Jetzt treibt sie manövrierunfähig, der Rumpf an Steuerbord ist eingerissen, Treibstoff schwappt auf heißes Metall.
Doch was für ein Geschoss traf den Stahlkoloss wirklich? …
Ein Schlag aus dem Nichts: Das mysteriöse Projektil

Augenzeugen sprechen von einem „pfeifenden Geräusch“ und einem gleißenden Blitz. Kein Radarecho, kein typischer Raketensignatur – Experten tippen auf eine unbemannte Schnellboot-Drohne mit Sprengkopf. Solche „Kamikaze-Boats“ kursieren seit Wochen in diversen Telegram-Kanälen militanter Milizen.
Britische Analysten lesen die Telemetrie sekundengenau: Einschlag knapp über der Wasserlinie, exakter Zielpunkt Maschinenraum. Eine klassische Taktik, um Motoren lahmzulegen und ein Inferno zu entfachen – ohne das Schiff sofort zu versenken.
Damit rückt die dramatischste Frage in den Fokus: Was geschah mit der Besatzung? …
Evakuierung unter Beschuss: 24 Seeleute springen ins Rettungsfloss

Binnen vier Minuten ertönt das Kommando „Abandon Ship!“. 21 Ägypter und drei Ukrainer schnallen sich Rettungswesten um, springen durch eine Wand aus Funken in die pechschwarze See. Zwei britische Hubschrauber vom Typ Merlin winchen die Männer aus dem Wasser, während ein Zerstörer der Royal Navy Nebelgranaten wirft, um mögliche Zweitschläge zu verhindern.
Der Kapitän über Funk: „Crew safe, vessel ablaze.“ Alle Seeleute überleben – aber der Frachter treibt brennend weiter, eine tickende Zeitbombe in der meistbewachten Wasserstraße des Planeten.
Die wirtschaftlichen Folgen lassen nicht lange auf sich warten …
Ölpreis im Sturzflug, Börsen im Fieber

Noch bevor die Flammen gelöscht sind, rauschen die Kurse über die Terminals: Brent-Rohöl springt kurz über die Marke von 105 Dollar, fällt dann rasant, als Gerüchte über eine US-amerikanische Notfreigabe strategischer Reserven kursieren. Reedereien stornieren Passagen, Versicherer setzen Prämien „bis auf Weiteres“ aus.
Binnen Stunden rechnet der Weltschifffahrtsverband mit Mehrkosten von bis zu 15 Milliarden Dollar pro Woche – allein weil Containerriesen um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden.
Doch wer steckt hinter dem Anschlag? Die Spur führt tiefer in die Nacht von Teheran …
Schattenkrieg im Golf: Verdächtige Fingerzeige nach Iran

Offiziell weist Teheran jede Beteiligung zurück. In inoffiziellen Chats rühmt sich jedoch eine Splittergruppe der Revolutionsgarden, sie habe „den imperialistischen Verkehr angezündet“. Britische Geheimdienstler fangen verschlüsselte Funksprüche ab, die auf einen Startpunkt an der iranischen Küste schließen lassen.
London stellt klar: „Ein gezielter Angriff auf zivile Schifffahrt ist ein Kriegsverbrechen.“ Premierminister Keir Starmer droht in einer eilig einberufenen Unterhausrede mit „robuster Antwort“ – ohne Details zu nennen.
Bleibt noch das Schicksal des lodernden Frachters selbst …
Rettung oder Wrack? Das Schicksal der „Safeen Prestige“

Kurz vor Redaktionsschluss gelingt es einem niederländischen Bergungsschlepper, eine Schleppleine an den rauchenden Bug zu bringen. Ziel: der omanische Tiefseehafen Duqm. Dort wartet bereits ein schwimmendes Dock, doch jeder Wellenschlag könnte die brennende Ladung neu entfachen.
Experten der Lloyd’s-Versicherung rechnen damit, dass der Rumpf irreparabel verzogen ist – ein Totalschaden in dreistelliger Millionenhöhe. Sollte das Schiff sinken, droht eine Umweltkatastrophe direkt am Eingang zum Persischen Golf.
Und genau hier könnte sich die nächste dramatische Front auftun …
Ausblick: Eskalation oder Entspannung?

Die Royal Navy verdoppelt ihre Präsenz, die US-Fünfte Flotte fordert eine internationale „Korridor-Koalition“ – doch Iran hält an der Rhetorik fest, den Golf bis auf Weiteres „unter eigener Kontrolle“ zu haben. Ein einziger Funke könnte reichen, um den fragilen Waffenstillstand zu zerschneiden.
Diplomaten loten fieberhaft Kanäle in Maskat und Doha aus. Entscheidet sich in den kommenden 48 Stunden, ob Hormus wieder sicher befahrbar ist – oder endgültig zur Kriegszone wird?
Die Augen der Welt bleiben jedenfalls auf die grauen Wellen zwischen Iran und Oman gerichtet. Demnächst könnte dort mehr brennen als nur ein einzelnes Frachtschiff.