Online-Shopping boomt, doch für viele Zustellerinnen und Zusteller wird jedes Klingeln zur körperlichen Herausforderung – denn die Pakete werden Jahr für Jahr schwerer.
Warum der schnelle Klick zur Last wird

Die Pandemie hat dem heimischen Einkauf per Mausklick einen ungeahnten Schub verliehen. Waschmaschinen, Hantelbänke, ganze Gartenmöbel-Sets – alles landet inzwischen im Warenkorb. Für die Empfängerinnen und Empfänger bedeutet das Bequemlichkeit, für die Lieferkräfte eine wachsende Belastung. Immer häufiger berichten Zusteller von Rückenschmerzen, verschlissenen Knien und längeren Ausfallzeiten.
Gewerkschaften und Berufsverbände schlagen seit Monaten Alarm: Die Zahl der Krankheitstage in der Paketbranche klettert rasant. Allein im vergangenen Jahr verzeichneten große Zustelldienste einen zweistelligen Prozentanstieg bei Muskel- und Skeletterkrankungen. Die Personaldecke wird dünner, Touren werden länger – ein Teufelskreis.
Neue Zahlen, neue Sorgen

Interne Auswertungen großer Paketdienstleister zeigen, dass das Durchschnittsgewicht pro Sendung 2025 erstmals die Marke von acht Kilogramm überschritten hat. Was auf den ersten Blick moderat klingt, entfaltet bei bis zu 200 Stopps pro Tour eine enorme Hebelwirkung. Besonders kritisch: Mehr als jede zehnte Sendung liegt inzwischen oberhalb von 20 Kilogramm.
Arbeitsmediziner warnen vor langfristigen Folgen. Schon eine leichte Drehbewegung mit einem schlecht gegriffenen 25-Kilo-Paket kann zu Bandscheibenvorfällen führen. Hinzu kommen erschwerte Bedingungen: enge Treppenhäuser, rutschige Außentreppen, fehlende Hilfsmittel. Viele Fahrerinnen und Fahrer berichten, dass sie am Ende ihrer Schicht kaum noch einen Karton heben können.
Gesetzgeber in Zugzwang – aber reicht das?

Mit der letzten Novelle des Postgesetzes gilt bereits eine Kennzeichnungspflicht für Sendungen über 20 Kilogramm. Zusätzlich sollen Pakete oberhalb dieser Schwelle nach Möglichkeit von zwei Personen zugestellt werden. Brancheninsider kritisieren jedoch, dass die Regelung in der Praxis nur schwer umsetzbar ist: Doppelbesetzungen seien teuer und ließen sich in ländlichen Gebieten kaum realisieren.
Zudem bleibt das gesetzliche Höchstgewicht bislang unverändert bei 31,5 Kilogramm. Für viele Zusteller sind das beinahe untragbare Dimensionen, zumal die Zahl besonders schwerer Pakete in den vergangenen zwölf Monaten deutlich angezogen hat. Während Politik und Aufsichtsbehörden noch evaluieren, wie sich die jüngsten Änderungen auswirken, wächst der Druck aus der Branche.
**DHL zieht die Reißleine – und nennt erstmals eine konkrete Grenze**

Nun sorgt DHL mit einem überraschenden Vorstoß für Bewegung: Der Marktführer fordert öffentlich eine gesetzliche Obergrenze von 23 Kilogramm pro Paket. Begleitet wird die Forderung von einer umfassenden Gesundheitsinitiative, die Schulungsprogramme für ergonomisches Heben und speziell entwickelte Balance-Trainings umfasst. Unternehmenskreise betonen, dass eine bundesweit einheitliche Gewichtsgrenze die einzige effektive Maßnahme sei, um Zustellerinnen und Zusteller langfristig zu schützen.
Brisant: Eine interne Analyse des Konzerns zeigt, dass sich durch die Absenkung des Maximalgewichts fast ein Drittel aller Verletzungen vermeiden ließe. Laut Branchenbeobachtern trifft die Forderung auf offene Ohren im Arbeitsministerium – erste Gespräche sollen bereits laufen. Ob die Politik das Limit tatsächlich auf 23 Kilogramm festschreibt, könnte noch in diesem Jahr entschieden werden. Für die Zustellerinnen und Zusteller wäre das mehr als nur eine symbolische Entlastung – es wäre der lange geforderte Befreiungsschlag.