Erstmals in Deutschland: Experten empfehlen neue Impfung!

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Eine Premiere bei den obersten Impfexperten Deutschlands: Erstmals gibt es eine Impfempfehlung gegen einen Erreger, der bislang vor allem Tiere krank macht. Wer sich schützen soll – und warum Fachleute so genau hinschauen.

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Die Empfehlung kommt nicht aus heiterem Himmel. Behörden in ganz Europa beobachten die Lage seit Monaten mit wachsender Aufmerksamkeit. Für die meisten Menschen ändert sich vorerst nichts – für einige wenige dagegen eine ganze Menge. Was hinter der neuen Regel steckt, wen sie betrifft und warum es mit dem passenden Impfstoff noch hakt.

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Eine Empfehlung mit Premiere

Arzt zieht eine Impfspritze auf (Symbolbild). Bild: KI-generiert
Arzt zieht eine Impfspritze auf (Symbolbild). Bild: KI-generiert

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat erstmals eine Impfung gegen einen Erreger empfohlen, der bislang vor allem in der Tierwelt kursiert. Gedacht ist sie nicht für alle, sondern für Menschen, die beruflich ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben.

Veröffentlicht wurde der Beschluss im Epidemiologischen Bulletin 42/2026 des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Stiko empfiehlt darin eine sogenannte Grundimmunisierung – also einen vollständigen Basisschutz mit mehreren Impfdosen.

Für die breite Bevölkerung gilt die Empfehlung ausdrücklich nicht. Wer genau gemeint ist und um welchen Erreger es geht, ist ein Thema, das viele Menschen in Deutschland schon seit dem vergangenen Herbst beschäftigt.

Dahinter steckt die Vogelgrippe

Kraniche am Himmel während der Vogelgrippe-Welle im Herbst 2025, 24.10.2025. Foto: IMAGO / Andreas Franke
Kraniche am Himmel während der Vogelgrippe-Welle im Herbst 2025, 24.10.2025. Foto: IMAGO / Andreas Franke

Konkret geht es um eine Impfung gegen zoonotische Influenza A(H5) – besser bekannt als Vogelgrippe. Zoonotisch bedeutet: Die Viren können von Tieren auf Menschen überspringen.

Die A(H5)-Viren zirkulieren laut Stiko längst nicht mehr nur bei Wildvögeln. Nachweise gibt es auch in Geflügelbeständen und bei Säugetieren wie Rotfüchsen, Waschbären und Hauskatzen. Im Winterhalbjahr 2025/26 wurde das Virus bei Wildvögeln und Geflügel in allen deutschen Bundesländern nachgewiesen.

> „Dies macht eine endemische Zirkulation von A(H5) in Deutschland in der Wildvogelpopulation wahrscheinlich.“

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> – Stiko im Epidemiologischen Bulletin des RKI

| Lage auf einen Blick | Stand laut RKI/Stiko |

|—|—|

| Nachweise bei Wildvögeln und Geflügel | in allen Bundesländern (Winter 2025/26) |

| Betroffene Säugetiere | u. a. Rotfüchse, Waschbären, Hauskatzen |

| Fälle bei Milchkühen in Deutschland | bisher keine, wird überwacht |

| Infektionen bei Menschen in Deutschland | bislang keine bekannt |

Weltweit gibt es vereinzelte Erkrankungen beim Menschen mit A(H5N1) – vor allem nach direktem Kontakt mit infiziertem Geflügel. In den USA steckten sich seit 2024 auch Menschen nach Kontakt mit infizierten Milchkühen an.

Diese Berufsgruppen sind gemeint

Laborantin in Schutzkleidung bei der Arbeit an einer Sicherheitswerkbank (Symbolbild). Bild: KI-generiert
Laborantin in Schutzkleidung bei der Arbeit an einer Sicherheitswerkbank (Symbolbild). Bild: KI-generiert

Die Stiko empfiehlt die Impfung für zwei Gruppen mit erhöhtem beruflichem Infektionsrisiko:

– Laborpersonal, das gezielt mit A(H5)-Viren arbeitet

– Beschäftigte in der Tierseuchen- und Ausbruchsbekämpfung, etwa Mitarbeitende von Veterinärämtern, die direkten Kontakt zu infizierten Tieren haben

Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfdosen im Abstand von drei Wochen – möglichst bevor die Betroffenen mit dem Virus in Kontakt kommen. Zuständig für Angebot, Organisation und Finanzierung sind laut Stiko der Arbeitgeber oder die für den Einsatz verantwortliche Stelle. Geimpft werden soll vor allem über Betriebsärzte und arbeitsmedizinische Dienste.

Wichtig: Die Impfung ersetzt keine Schutzausrüstung. Masken, Schutzanzüge und Hygieneregeln bleiben Pflicht.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und das RKI stufen das Infektionsrisiko für beruflich Exponierte als gering bis moderat ein. Für die Allgemeinbevölkerung ist das Risiko laut RKI nicht erhöht.

Warum Experten so genau hinschauen

Virologe Klaus Stöhr in der ARD-Talkshow „hart aber fair“, 18.11.2024. Foto: IMAGO / Panama Pictures (Christoph Hardt)
Virologe Klaus Stöhr in der ARD-Talkshow „hart aber fair“, 18.11.2024. Foto: IMAGO / Panama Pictures (Christoph Hardt)

Bei der Empfehlung geht es nicht nur um den Schutz Einzelner. Ziel ist es, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern – und zugleich die Zahl der Infektionen beim Menschen gering zu halten. Denn jede Ansteckung gibt dem Virus die Chance, sich an den Menschen anzupassen.

> „Die Impfung könnte somit dazu beitragen, das Risiko einer Influenzapandemie zu senken.“

> – Stiko

Einen Hinweis auf ein erhöhtes Pandemiepotenzial sieht die Kommission derzeit nicht: „Eine anhaltende Mensch-zu-Mensch Übertragung ist bisher nicht nachgewiesen“, heißt es. Andere Fachleute schlagen deutlichere Töne an. Der Virologe Klaus Stöhr, langjähriger Leiter des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sagte im Herbst 2025 der „Mitteldeutschen Zeitung“:

> „Prinzipiell hat das H5N1-Virus alles, um eine Pandemie auszulösen.“

> – Klaus Stöhr, Virologe

Mit ihrer Empfehlung folgt die Stiko Beschlüssen der WHO-Impfkommission SAGE vom September 2025 und einer Empfehlung des ECDC vom Dezember 2025. Bereits im Vorjahr hatte die Stiko die saisonale Grippeimpfung auf Menschen mit direktem Tierkontakt ausgeweitet, um Doppelinfektionen zu vermeiden.

Nur ein Impfstoff passt – und der fehlt noch

Hühner in Freilandhaltung, Symbolbild Vogelgrippe, 24.05.2026. Foto: IMAGO / Panama Pictures (Christoph Hardt)
Hühner in Freilandhaltung, Symbolbild Vogelgrippe, 24.05.2026. Foto: IMAGO / Panama Pictures (Christoph Hardt)

Ganz so einfach ist die Umsetzung allerdings nicht. In der EU sind drei Impfstoffe gegen A(H5) zugelassen – doch nur einer passt laut Stiko zu den Viren, die derzeit in Europa kursieren.

| Impfstoff | Einordnung laut Stiko |

|—|—|

| Zoonotic Influenza Vaccine Seqirus | 2023 zugelassen, auf die aktuell in Europa zirkulierende Virusgruppe abgestimmt |

| Aflunov | beruht auf älterem Virusstamm, müsste angepasst werden |

| Celldemic | beruht auf älterem Virusstamm, müsste angepasst werden |

Hinzu kommt: Regulär verfügbar sind die Impfstoffe in Deutschland derzeit nicht. Laut einer RKI-Anfrage des „Deutschen Ärzteblatts“ müssen Beschaffung, Bereitstellung und Zugangswege erst geklärt werden. „Ein belastbarer Zeitpunkt, ab dem A(H5)-Impfstoff in Deutschland verfügbar sein wird, kann derzeit nicht genannt werden“, so das RKI.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es auch an der Impfbereitschaft hapern kann: In Finnland, wo seit 2024 nach Ausbrüchen auf Pelztierfarmen geimpft wird, lag die Impfquote in der Zielgruppe zwischen Juni 2024 und Januar 2025 bei nur 8,6 Prozent. In Kanada waren es in den ersten Monaten rund 36 Prozent.

Für alle anderen gilt weiterhin vor allem eines: Abstand halten. Wer etwa beim Spaziergang einen toten Vogel findet, sollte ihn nicht anfassen, den Hund zurückhalten und das zuständige Veterinäramt informieren.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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