Ein unscheinbarer Waldweg, ein Routine-Spaziergang – doch plötzlich stößt ein Pilzsammler auf 15 scharfe Handgranaten. Nicht irgendwo, sondern in unmittelbarer Nähe der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt. Der Fund weckt sofort Erinnerungen an düstere Kapitel deutscher Terrorgeschichte und lässt die Frage aufkommen: Führt die Spur tatsächlich zurück zur RAF?
Fund im Unterholz

Die Plastiktüten lagen halb verrottet zwischen herabgefallenen Blättern, kaum zwei Schritte vom Trampelpfad entfernt. Erst als der Sammler einen der Beutel aufriss, erkannte er die metallenen Zylinder – funktionsfähige Splittergranaten, von Rost überzogen, aber noch immer tödlich.
Bombenentschärfer mussten mehrere Exemplare kontrolliert sprengen, andere wurden für Untersuchungen abtransportiert. Woher die Waffen stammen, konnte zunächst niemand sagen – doch der Standort verriet bereits mehr, als den Ermittlern lieb war. Weiter geht es mit der brisanten Nähe zur JVA Weiterstadt.
Die Nähe zur JVA Weiterstadt

Gerade einmal ein Kilometer trennt den Fundort von Hessens größtem Hochsicherheitsgefängnis. Ein Ort, der bereits 1993 Schlagzeilen machte, als eine Bombe der Roten Armee Fraktion den fast fertiggestellten Neubau in Schutt und Asche legte.
Die Ermittler schließen Zufälle aus, wenn Sprengstoff so dicht an eine historisch belastete Haftanstalt gelegt wird. Ob jemand alte Geschichte wachrütteln will, ist nun die Frage – und führt direkt zurück zu jener Nacht vor gut drei Jahrzehnten. Gleich tauchen wir in diese Vorgeschichte ein.
Flashback: Als die RAF das Gefängnis sprengte

In der Osternacht 1993 kletterten vier maskierte RAF-Terroristen über die Mauern des damals leeren Baus und deponierten 200 Kilogramm Sprengstoff. Der Schaden: über 65 Millionen Euro, der Schock für die Republik: unbezahlbar.
Die Tat galt als letzter großer Schlag der dritten RAF-Generation. Jahrzehnte später wurden drei Verdächtige durch DNA-Spuren identifiziert, doch nur eine – Daniela Klette – sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Ob ihre Komplizen noch aktiv sind, beschäftigt nun erneut die Sicherheitsbehörden. Welche Spuren führen die Ermittler diesmal? Das verrät der nächste Abschnitt.
Was die Ermittler bislang wissen

Die Granaten liegen laut Gutachtern schon „mehrere Jahre“ im Boden, was einen frischen Anschlagsplan unwahrscheinlich erscheinen lässt. Allerdings weisen Nummern und Gussnähte auf Serien aus osteuropäischer Produktion hin – ein typisches Kaliber, das auch die RAF über Waffenschieber bezog.
Spezialisten untersuchen aktuell DNA-Reste an den Plastiktüten, vergleichen Rostpartikel mit früheren RAF-Depots und werten Mobilfunkdaten aus. Noch fehlen entscheidende Treffer, doch ein Fundstück sticht heraus: ein vergilbtes Band mit Kleberesten, das an Verpackungen aus alten RAF-Depots erinnert. Ob das Zufall ist, soll die Laboranalyse zeigen. Genau dort setzen wir nun an.
Sprengstoff-Check im LKA-Labor

Im Sprengstoffzentrum Wiesbaden prüft man Splittermuster, Zünder und Sprengmitteltyp. Erste Tests deuten nicht auf Weltkriegsmunition, sondern auf Modelle der jugoslawischen M75-Reihe hin – ein Klassiker des Balkankrieges, der seit den 90ern auf Europas Schwarzmärkten kursiert.
Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, öffnet sich ein neues Szenario: Haben internationale Waffenschmuggler das Material versteckt – oder nutzte die RAF einst dieselben Quellen? Die Antwort könnte Hinweise auf ein ganz anderes Phänomen geben: das Comeback illegaler Kriegswaffen in deutschen Wäldern. Damit beschäftigen wir uns im vorletzten Slide.
Waffenfunde ohne Ende – Zufall oder System?

Allein 2025 registrierte die Polizei bundesweit über 120 Funde von Granaten, Panzerfäusten und Sprengkörpern. Oft stammen sie aus stillgelegten Depots, manchmal aus aktuellen Schieberouten. In Südhessen wurden seit Juni bereits drei Granaten vor Ort gesprengt, die jüngste in Viernheim.
Sicherheitskreise warnen vor wachsender Verfügbarkeit: Online-Marktplätze im Darknet bieten Granaten für wenige hundert Euro an. Jede Waffe, die im Boden verrottet, ist eine potenzielle Gefahr – und jeder Fund ruft Erinnerungen an Terrorgruppen wach. Doch was heißt das konkret für die Spur nach Weiterstadt? Die Auflösung folgt jetzt.
Die offene Frage: Droht eine neue Gefahr?

Noch gibt es keinen Beweis, dass hinter den 15 Granaten ein neues RAF-Netzwerk steckt. Ermittler schätzen die Wahrscheinlichkeit für einen gezielten Anschlagsplan aktuell als „gering“ ein. Vieles spricht für ein altes Depot, das nie geborgen wurde – möglicherweise versteckt von Mittätern, die längst untergetaucht sind oder tot.
Trotzdem bleibt die Symbolik erschreckend: Ausgerechnet dort, wo die RAF einst zuschlug, taucht wieder tödliche Munition auf. Ob Zufallsfund oder Warnsignal – die Behörden wollen den Wald jetzt systematisch absuchen. Erst wenn er sauber ist und die Laborergebnisse vorliegen, wird klar sein, ob sich die Spuren tatsächlich bis zur RAF zurückverfolgen lassen – oder ob der Schatten der Vergangenheit diesmal nur einen Zufallsfund verdunkelte. Wir bleiben dran.