Gefährliches Virus breitet sich aus: Schon 130 Menschen tot!

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So viele Infektionen wie noch nie: Ein gefährliches Virus breitet sich immer weiter aus. Schon 130 Menschen sind in diesem Jahr daran gestorben. Gesundheitsexperten schlagen Alarm und rechnen damit, dass sich der Erreger in den kommenden Jahren in weitere Regionen vorarbeitet.

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Die neuen Zahlen der Gesundheitsbehörden zeigen eine Rekord-Saison. Übertragen wird das Virus von einem Tier, das fast jeder kennt. Einen Impfstoff für Menschen gibt es nicht. Was über den Erreger bekannt ist, welche Symptome auftreten können und wie sich jeder schützen kann, steht auf den folgenden Seiten.

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Rekord-Saison: So viele Fälle wie nie zuvor

Fotomontage: Eine Mücke auf geröteter Haut unter der Lupe, Symbolbild Mückenstich, 17.06.2025. Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie (Michael Bihlmayer)
Fotomontage: Eine Mücke auf geröteter Haut unter der Lupe, Symbolbild Mückenstich, 17.06.2025. Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie (Michael Bihlmayer)

Ein gefährliches Virus hat in diesem Jahr so viele Menschen infiziert wie nie zuvor. 130 Menschen sind bereits gestorben. Übertragen wird der Erreger durch Mückenstiche.

Bis zum 7. Oktober 2026 wurden laut den zuständigen Gesundheitsbehörden 1.715 Infektionen beim Menschen registriert, die sich die Betroffenen vor Ort zugezogen hatten. Das ist der höchste Wert, der jemals in einer Saison gemeldet wurde. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag die Zahl im gleichen Zeitraum bei rund 693 Fällen.

Die gute Nachricht: Die Krankheit verläuft nach Einschätzung der Experten nicht schwerer als früher. Der Anteil der Patienten, die ins Krankenhaus mussten, neurologische Beschwerden entwickelten oder starben, liegt nicht über dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts. Es stecken sich aber deutlich mehr Menschen an.

Das steckt hinter dem gefährlichen Erreger

Stechmücke (Culicidae) in Nahaufnahme, 17.09.2024. Foto: IMAGO / M.i.S. (Bernd Feil)
Stechmücke (Culicidae) in Nahaufnahme, 17.09.2024. Foto: IMAGO / M.i.S. (Bernd Feil)

Bei dem Erreger handelt es sich um das West-Nil-Virus. Es zirkuliert vor allem zwischen Stechmücken und wildlebenden Vögeln. Sticht eine infizierte Mücke einen Menschen oder ein Pferd, kann sie das Virus auch auf sie übertragen.

Menschen und Pferde gelten dabei als sogenannte Fehlwirte: Sie tragen in der Regel nicht zur Weiterverbreitung bei. Von Mensch zu Mensch wird das Virus bei alltäglichen Kontakten nicht übertragen.

Auch Tiere sind stark betroffen. In diesem Jahr wurden 511 Ausbrüche bei Pferden und anderen Pferdeartigen sowie 595 Ausbrüche bei Vögeln registriert. Nachweise bei Vögeln und Pferden gelten als Frühwarnzeichen dafür, dass sich das Virus in einer Region festsetzt.

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Diese Symptome können auftreten

Ältere Frau misst bei ihrem kranken Partner Fieber, Symbolbild, 29.07.2026. Foto: IMAGO / Zoonar (Dmitrii Marchenko)
Ältere Frau misst bei ihrem kranken Partner Fieber, Symbolbild, 29.07.2026. Foto: IMAGO / Zoonar (Dmitrii Marchenko)

Viele Infizierte merken von der Ansteckung gar nichts. Nach Angaben deutscher Gesundheitsbehörden und des Robert Koch-Instituts verläuft die Infektion so:

– Rund 80 Prozent der Infizierten haben keine erkennbaren Symptome.

– Etwa 20 Prozent entwickeln das sogenannte West-Nil-Fieber mit Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und starker Müdigkeit.

– Etwa einer von 100 Infizierten erkrankt schwer. Dann kann es zu neurologischen Komplikationen wie einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen. Eine spezielle Behandlung gegen das Virus gibt es nicht, ebenso wenig einen zugelassenen Impfstoff für Menschen. Ärzte können nur die Beschwerden lindern, schwere Fälle werden im Krankenhaus behandelt.

Diese Länder sind besonders stark betroffen

Mückenbekämpfung in Athen nach steigenden West-Nil-Fällen, 01.09.2026. Foto: IMAGO / Anadolu Agency (Ayhan Mehmet)
Mückenbekämpfung in Athen nach steigenden West-Nil-Fällen, 01.09.2026. Foto: IMAGO / Anadolu Agency (Ayhan Mehmet)

Die Zahlen stammen vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Die 1.715 Fälle und 130 Todesfälle wurden in den Ländern der Europäischen Union registriert. Am stärksten betroffen ist Italien, auch Griechenland und Frankreich meldeten so viele Fälle wie noch nie.

| Land | Gemeldete Fälle 2026 (Stand 7.10.) |

|—|—|

| Italien | 748 |

| Griechenland | 445 (Rekord) |

| Frankreich | 144 (Rekord) |

| Spanien | 139 |

| Niederlande | 59 |

| Belgien | 15 (erste lokale Fälle überhaupt) |

Das Virus wandert dabei immer weiter nach Norden. In Belgien und den Niederlanden wurde es bei Menschen und Tieren nachgewiesen. Das ECDC erwartet, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzt. Ole Heuer, Abteilungsleiter beim ECDC, sagte laut Mitteilung der Behörde (übersetzt):

> „Das Auftreten des West-Nil-Virus schwankt von Jahr zu Jahr erheblich und ist schwer vorherzusagen.“ — Ole Heuer, ECDC

Frühere Erkennung, mehr Aufmerksamkeit und eine wirksame Mückenbekämpfung könnten helfen, die Auswirkungen zu verringern, so Heuer.

Auch in Deutschland gibt es Fälle

Oliver Hildenbrand (Grüne), Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, im Bundesrat, Berlin, 10.07.2026. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Oliver Hildenbrand (Grüne), Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, im Bundesrat, Berlin, 10.07.2026. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Auch hierzulande haben sich in diesem Jahr Menschen angesteckt. Bis zum 7. Oktober 2026 waren laut dem Sozialministerium Baden-Württemberg vier Fälle in Deutschland dokumentiert: zwei in Berlin sowie je einer in Sachsen und Rheinland-Pfalz. Zudem wurden in Baden-Württemberg erstmals zwei Infektionen beim Menschen bestätigt. Die Betroffenen hatten sich vermutlich im Raum Stuttgart und im Raum Karlsruhe durch Mückenstiche angesteckt, beide waren nicht im Ausland.

> „Es ist nicht überraschend, dass das West-Nil-Virus nun erstmals auch bei Menschen in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde.“ — Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne), laut dpa

Grund zur Panik besteht laut Hildenbrand nicht: „Nach aktueller Bewertung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit aber kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung.“ Mit dem Ende des Sommers werden die Bedingungen für die Übertragung ungünstiger, ganz vorbei ist die Saison laut ECDC aber noch nicht.

So schützen sich Menschen vor Mückenstichen:

– Mückenschutzmittel auftragen

– lange, helle und locker sitzende Kleidung tragen, vor allem abends und nachts

– Fliegengitter an Fenstern und Türen anbringen, Moskitonetze nutzen

– Brutstätten wie stehendes Wasser in Garten und auf dem Balkon vermeiden

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