Plötzlich schlängeln sich dunkle Kolonnen über deutsche Fernstraßen – Motorengeräusche sorgen schon im Morgengrauen für neugierige Blicke. Was steckt hinter der massiven Präsenz graugrüner Gefährte, die Pendlerinnen und Pendler ins Stocken bringt?
Unerwartete Begegnung im Berufsverkehr

Nur wenige Minuten nach Sonnenaufgang meldeten Verkehrsleitzentralen in mehreren Bundesländern ungewöhnlich dichte Fahrzeugaufkommen auf den Autobahnen. Viele Autofahrende waren irritiert, als sie statt der üblichen Lkw- und Pkw-Flut plötzlich auf endlose Reihen gepanzerter Transporter trafen. Für die meisten wirkte die Szenerie wie ein Déjà-vu aus längst vergangenen Zeiten.
Was zunächst wie eine einzelne Kolonne wirkte, entpuppte sich rasch als Teil einer deutschlandweiten Verlegeaktion. Immer wieder meldeten Raststätten und Tankstellen kurze Sperrungen, weil Militärfahrzeuge auftanken oder ihre Marschzeiten kontrollieren mussten. Offizielles Statement? Fehlanzeige – zunächst hüllte sich die Bundeswehr in Schweigen.
Aufmarsch in Etappen

Erst gegen Mittag sickerten erste Informationen durch: Rund 850 Soldaten und mehrere Hundert Fahrzeuge nehmen an der Übung „Orange Road“ teil – das größte Verlege-Manöver dieser Art seit mehr als fünf Jahren. Startpunkte lagen in Thüringen und Sachsen, von dort rollten die Einheiten sternförmig in Richtung Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Die Marschkolonnen sind streng getaktet. Fahren dürfen sie nur im geschlossenen Verband, Überholmanöver sind für Zivilfahrzeuge riskant und oftmals untersagt. Entsprechend bildeten sich schnell kilometerlange Staus, vor allem dort, wo sich die Militärkonvois mit der regulären Rush-Hour mischten. Verkehrsplaner sprechen bereits von einer „gebrauchten Woche“ für Pendler.
Diese Strecken sind besonders betroffen

Die Frage, die alle beschäftigt, lautet: Wo muss ich morgen mit Verzögerungen rechnen? Erst am späten Nachmittag veröffentlichte das Landeskommando eine grobe Route: Schwerpunkt seien die Autobahnen A 5, A 6 und A 61 – dort rollen die schwersten Kolonnen Richtung südlicher Übungsräume. Hinzu kommen Abschnittsfahrten auf der A 9 zwischen Gera und Nürnberg sowie kurze Transferstücke auf der A 3 und A 67.
Wer die Staus umgehen will, sollte in den nächsten 48 Stunden großräumig auf Bundesstraßen ausweichen oder, wenn möglich, den Berufsverkehr zeitlich versetzen. Das Manöver endet laut Bundeswehr erst in der Nacht zu Freitag – bis dahin heißt es: Geduld bewahren und Abstand halten, denn die grauen Giganten haben noch einige hundert Kilometer Asphalt vor sich.