Eine ganze Region hält den Atem an: Ein 29-jähriger Lehrer aus Villach ist völlig unerwartet verstorben – und hinterlässt ein Echo aus Trauer, Liebe und Fragen, das bis weit über die Klassenzimmer hinausreicht.
Ein Schock zu Unterrichtsbeginn

Kurz vor der ersten Stunde ertönte noch das laute Klatschen der Schülerrufe auf dem Pausenhof, da verbreitete sich die unfassbare Nachricht: Ihr beliebter Klassenlehrer werde nie wieder die Klassentür öffnen. Die Direktion brach das übliche Läuten ab, setzte sich mit belegter Stimme ans Mikrofon und verkündete die traurige Botschaft.
Binnen Minuten herrschte Stille, gefolgt von Tränen. In der Sporthalle wurden Krisenteams aktiviert, während Kerzen im Foyer aufgereiht wurden. Doch wer war der junge Mann, der so tiefe Spuren hinterließ?
Ein Pädagoge mit Herz und Bergschuhen

Geboren in Villach, aufgewachsen zwischen Dobratsch und Gerlitzen, hatte Matthias H.* schon als Kind das Lehrerzimmer seiner Mutter bewundert. Nach dem Lehramtsstudium in Klagenfurt kam er 2021 an die „NMS West“ und galt seither als „Mr. Motivation“ – ein Lehrer, der mit Wandertage-Podcasts und Drohnenvideos den Geografie-Unterricht revolutionierte.
Sein größtes Hobby waren die Berge: Fast jedes Wochenende stand er vor Sonnenaufgang am Gipfel, um die goldenen Momente für seine Klasse zu filmen. Wie nahm die Familie Abschied von diesem lebenshungrigen Visionär?
Der stille Abschied in St. Jakob

Heute Morgen um 10 Uhr trugen Freunde seine Gitarre – statt Blumen – zum Altar der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Das Lied „Über’n See“ aus seiner eigenen Feder erklang, gesungen von ehemaligen Schülern, die zwischen den Strophen kaum die Stimme hielten.
Der Sarg war mit Kreidezeichnungen seiner 2a versehen: kleine Berge, ein Kompass, das Wort „Danke“. Beim Verlassen der Kirche bildete das Kollegium ein Spalier aus Zirbenholz-Zeugnisstöcken. Doch das Echo hallte digital mindestens ebenso laut wider.
Kondolenzflut in den sozialen Medien

Innerhalb von Stunden trendete der Hashtag #UnserHerrH auf österreichischem X. Ehemalige posteten Selfies aus dem Unterricht, versehen mit Serifen-Schriftzügen wie „Er zeigte uns Horizonte“. Die Landesrätin für Bildung teilte seine Drohnenaufnahme vom Faaker See in der Morgendämmerung – mittlerweile mehr als eine Million Mal geklickt.
Sogar der Bergrettungsdienst veröffentlichte ein Video, in dem Matthias bei einer Schulprojekt-Übung erklärt: „Lernen heißt, sich weiter hinaufzutrauen.“ Was bleibt den Kindern nun ohne ihren wichtigsten Mutmacher?
Leere Plätze, laute Erinnerungen

Die Klassenzimmer wirken größer, sagen die Schüler. Sein Platz am Lehrerpult bleibt bis zu den Herbstferien unbesetzt, um „Gedanken Luft zu lassen“, wie die Direktorin betont. In einer improvisierten „Memory-Box“ sammeln die Kinder Post-its: „Danke für das Vertrauen“, „Wir schaffen die Mathe-Schularbeit, versprochen“.
Psychologen begleiten die Klassen, doch oft übernimmt die Klasse selbst das Wort – mit Geschichten über Matthias’, der trotz schweren Gewitters einst eine Doppelstunde unter freiem Himmel hielt, weil „Sturm auch Geografie ist“. Und doch wächst aus dem Schmerz bereits etwas Neues.
Ein Vermächtnis, das weiterlebt

Seine Verlobte Lisa hat gemeinsam mit der Schule den „Matthias-H.-Fonds“ gegründet. Jährlich soll eine „Mut-Mini-Expedition“ für die jeweils schwächste Klasse finanziert werden – ein Tag draußen, mit Kompass, Karte und jeder Menge Teamgeist, wie er es liebte.
Die erste Spendenwelle knackte schon nach wenigen Stunden 25.000 Euro. Damit, so schreibt Lisa, „kann Matthias weiter unterrichten – in jedem Herz, das sich hinaustraut.“ Damit schließt sich dieser Kreis des Abschieds – doch die Geschichte seines unbändigen Lebenshungers wird erst jetzt weitererzählt.
\*Name aus Rücksicht auf die Familie gekürzt.