Ein unscheinbarer Novembermorgen endet mit einem Paukenschlag: Der seit drei Monaten flüchtige Todesschütze von Menden ist in Serbien verhaftet worden. Die spektakuläre Festnahme löst in Nordrhein-Westfalen Erleichterung aus – und wirft zugleich neue Fragen auf.
Bluttat erschüttert Menden

Ein lauer Spätsommerabend, 22. August 2025: In einer ruhigen Wohnsiedlung im sauerländischen Menden fallen plötzlich Schüsse. Zwei Handwerker bricht der Alltag entzwei – einer stirbt noch am Tatort, sein Kollege kämpft schwer verletzt ums Überleben.
Augenzeugen schildern Panik, Anwohner rufen verängstigt die Polizei. Binnen Minuten ist der mutmaßliche Täter verschwunden. Zurück bleiben ein Leichnam, Blutspuren auf dem Pflaster – und ein ganzes Viertel, das seinen Glauben an Sicherheit verloren hat.
Doch die Jagd sollte erst beginnen – was dann folgte, sprengte jede Vorstellungskraft.
Drei Monate Schattenjagd

Sofort rollen Zielfahnder von LKA, BKA und Interpol an. Öffentliche Fahndungsfotos zeigen das Gesicht von Kenan M., 40, doppelte Staatsbürgerschaft Serbien/Montenegro. Hinweise prasseln aus ganz Europa ein, doch jeder vermeintliche Treffer erweist sich als Sackgasse.
Während NRW zittert, taucht der Verdächtige tiefer ins Unterholz der Balkanstaaten ab. Er wechselt Pässe, SIM-Karten, Autos – und scheint der Polizei stets einen Atemzug voraus.
Ein unscheinbarer Fehler des Flüchtigen brachte schließlich die Wende …
Der eine falsche Schritt in Belgrad

Vergangenen Samstag stoppt eine serbische Streife in der Nähe von Belgrad einen Kleinwagen; Routinekontrolle, schäbige Papiere, ein nervöser Fahrer. Die Beamten lassen Fingerabdrücke scannen – Sekunden später leuchtet der internationale Haftbefehl auf.
Der Mann versucht noch, seinen falschen Namen zu beteuern, doch die Datenbank kennt keine Gnade. Handschellen klicken, ein Foto geht an das Bundeskriminalamt – Treffer bestätigt.
Doch wer ist der Mann hinter den gefälschten Papieren eigentlich wirklich?
Kenan M.: Vom Bauunternehmer zum meistgesuchten Mann NRWs

Noch vor wenigen Jahren galt Kenan M. als umtriebiger Bau-Boss, der in Menden mehrere Handwerkerteams beschäftigte. Im Ort war er kein Unbekannter: teure Wagen, großzügige Spenden, aber auch launische Ausraster, wenn Geld oder Termine nicht passten.
Im Sommer häufen sich Gerüchte über ausstehende Löhne, angebliche Drohungen, ein tiefes Zerwürfnis mit zwei seiner Angestellten – genau jenen Männern, die später zu Opfern werden sollten.
Trotzdem bleibt die Frage: Was trieb ihn zu den tödlichen Schüssen?
Tatmotiv: Zerplatzter Traum und offener Lohnstreit

Ermittler rekonstruieren einen heftigen Streit um nicht gezahlte Rechnungen, angeblich im vierstelligen Bereich. Die Stimmung eskaliert am 22. August – Kenan M. greift laut Zeugenaussagen wortlos zur Waffe. Sekunden entscheiden über Leben, Tod und eine Flucht, deren Bilder Deutschland nicht vergessen wird.
Psychologen verweisen auf gekränkten Stolz, wirtschaftlichen Druck und einen Mann, der alles verlieren sah, was er sich aufgebaut hatte. Bei Hausdurchsuchungen finden Fahnder Hinweise auf Panik-Planungen: Tunnelrouten, Wechselkennzeichen, Bargeldbündel.
Jetzt, da er gefasst ist, richtet sich der Blick nach vorn – und auf das, was die Justiz plant.
Auslieferung, Prozess und das lange Warten auf Gerechtigkeit

Serbien signalisiert schnelle Kooperation: Schon in wenigen Tagen sollen deutsche Beamte den Gefangenen übernehmen, voraussichtliche Ankunft im Hochsicherheitstrakt in NRW Anfang Dezember. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg stellt Mordanklage in Aussicht, während Opferfamilien hoffen, endlich Antworten zu erhalten.
Der Prozess könnte im Frühjahr 2026 starten. Beobachter erwarten aufgeladene Emotionen, denn Kenan M. schweigt bisher eisern. Für Menden bedeutet der Termin die Chance, eine Wunde zu schließen – doch die Narben werden bleiben.
Wir bleiben dran und berichten, sobald der Fall vor Gericht neu Fahrt aufnimmt.