Donald Trumps jüngste Drohkulisse spannt sich von der Karibik bis in die Arktis: Nach dem Schlag gegen Venezuela lässt der Präsident kein Geheimnis daraus, dass auch andere Länder ins Visier geraten sind. Die Welt hält den Atem an – denn die Liste seiner „Problemzonen“ wächst täglich.
Der „Coup von Caracas“ – mehr als ein Einzelfall

Die Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro ist für Donald Trump kein isolierter Akt, sondern Teil einer größeren Strategie. Der US-Präsident versteht den Einsatz als Signal – an Lateinamerika, an Rivalen und an Verbündete.
Trump beruft sich dabei auf eine neue Lesart der Monroe-Doktrin. Was im 19. Jahrhundert vor allem Abschreckung bedeutete, wird nun als aktiver Machtanspruch interpretiert. Völkerrechtliche Einwände spielen dabei offenbar eine untergeordnete Rolle. Beobachter sprechen bereits von einer „Donroe-Doktrin“ – benannt nach Donald Trump und seinem interventionistischen Kurs.
Kuba – „ein scheiternder Staat“ im Visier

In dieser neuen Logik rückt Kuba besonders in den Fokus. Das Land gilt in Washington als enger Verbündeter Maduros. Trump beschrieb die Situation dort laut dem Guardian öffentlich als alarmierend. Kuba sei ein „scheiternder Staat“, mit dem sich die USA erneut intensiv befassen müssten.
Auch Außenminister Marco Rubio wählte deutliche Worte. Auf die Frage, ob nach Venezuela nun Kuba folgen könnte, bezeichnete er die Regierung in Havanna als „ein riesiges Problem“. Konkrete Schritte wollte er nicht nennen, fügte aber hinzu:
„Es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind.“
Verantwortliche sollten zumindest „ein bisschen besorgt“ sein.
Kolumbien und Nicaragua – militärische Drohungen

Besonders scharf fällt Trumps Ton gegenüber Kolumbien aus. Den linksgerichteten Präsidenten Gustavo Petro griff er persönlich an. Kolumbien sei ein „sehr krankes Land“, regiert von einem „kranken Mann“, der es liebe, „Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen“. Das werde Petro „nicht mehr lange machen“.
Auf die Frage, ob ein militärischer US-Einsatz denkbar sei, antwortete Trump an Bord der Air Force One:
„Das klingt für mich gut.“
Zuvor hatte er Petro gewarnt, er solle „auf seinen Hintern aufpassen“.
Auch Nicaragua steht unter Beobachtung. Trump deutete an, dass bestimmte Regierungen „nicht durch diese Amtszeit kommen werden“. Rubio ordnete Nicaragua als Teil eines sicherheitspolitischen Problems ein und erklärte, einige Regierungen sollten sich nun „ernsthafte Sorgen machen“.
Mexiko – „Kartelle regieren das Land“

Gegenüber Mexiko wählte Trump ebenfalls drastische Worte. Er stellte die Autorität von Präsidentin Claudia Sheinbaum offen infrage:
„Sie regiert Mexiko nicht. Kartelle regieren Mexiko.“
Zwar nannte er Sheinbaum zugleich „eine gute Frau“, relativierte dies jedoch umgehend. Angesichts der Macht der Drogenkartelle sei klar:
„Mit Mexiko muss etwas gemacht werden.“
Trump verbindet Mexiko direkt mit der amerikanischen Sicherheits- und Drogenproblematik. Wiederholt machte er Kartelle für den Schmuggel von Kokain und Fentanyl verantwortlich – und warf der mexikanischen Regierung vor, nicht entschieden genug dagegen vorzugehen.
Iran und Grönland – globale Ausweitung

Außerhalb der westlichen Hemisphäre nennt Trump vor allem den Iran. Anlass sind regierungskritische Proteste. Laut AP erklärte Trump, die USA beobachteten die Lage „sehr genau“. Sollte Teheran Gewalt anwenden, drohte er:
„Wenn sie damit anfangen, Leute zu töten, dann werden sie von den Vereinigten Staaten sehr hart getroffen.“
Gleichzeitig erneuerte Trump seinen Anspruch auf Grönland:
„Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit.“
Er begründete dies mit russischen und chinesischen Aktivitäten und erklärte spöttisch, Dänemark werde das „nicht schaffen“. Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch einen Social-Media-Post der Influencerin Katie Miller, die eine Grönland-Karte in US-Farben mit dem Wort „Bald“ veröffentlichte.
Russland im Hintergrund – weltweite Signalwirkung

Der Einsatz in Venezuela blieb international nicht unbeachtet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte mit einer deutlichen Anspielung:
„Wenn man mit Diktatoren so umgehen kann, dann wissen die Vereinigten Staaten von Amerika, was sie als Nächstes tun müssen.“
Den Namen Wladimir Putin nannte Selenskyj nicht – doch die Botschaft war klar. In Washington bremste Marco Rubio solche Erwartungen und betonte, der Fokus liege weiterhin auf der westlichen Hemisphäre.
Doch eines zeigt sich deutlich: Trumps Kurs wird weltweit aufmerksam verfolgt. Der „Coup von Caracas“ markiert womöglich nicht das Ende – sondern den Beginn einer neuen, unberechenbaren Phase amerikanischer Machtpolitik.