Friedrich Merz schlägt ein neues Kapitel auf: In seinem heutigen Schreiben an die Regierungsfraktionen skizziert der Kanzler einen radikalen Kurswechsel, der Deutschland aus der Wachstumsschwäche holen soll. Was steckt hinter den markigen Worten – und welche Schritte folgen nun tatsächlich?
Ein Brief, der Alarm schlägt

Am frühen Morgen des 7. Januar 2026 landete ein vierseitiges Schreiben des Kanzlers in den Postfächern der Abgeordneten von CDU/CSU und SPD. Darin beschreibt Merz die deutsche Wirtschaft als „in Teilen äußerst kritisch“ und warnt vor Arbeitsplatzverlusten quer durch Industrie, Mittelstand und Handwerk. Seine Diagnose ist hart, aber klar: „So kann es nicht weitergehen.“
Noch bemerkenswerter ist der Tonfall: Merz zählt nicht nur Versäumnisse auf, er setzt zugleich eine Frist. 2026 müsse das Jahr werden, in dem die Standortbedingungen „durchgreifend verbessert“ würden. Das klingt nach Druck – und nach großem Anspruch.
Lassen wir uns anschauen, wie deutlich Merz die Krise benennt …
Klartext zur Krise

Im Detail prangert der Kanzler hohe Energie- und Arbeitskosten, überbordende Bürokratie sowie eine lähmende Steuerlast an. Er verweist auf großflächige Produktionsverlagerungen ins Ausland und warnt, dass Deutschland Gefahr laufe, „seinen industriellen Kern zu verlieren“. Seine Botschaft: Ohne mutigen Umbau droht eine Dekade der Stagnation.
Gleichzeitig räumt Merz ein, dass selbst bereits beschlossene Entlastungen erst „ansatzweise“ Wirkung zeigen. Er legt damit den Finger in die Wunde – und öffnet den Raum für etwas, das in Berlin selten ist: echte Strukturreformen.
Doch welche Reformen sollen das Ruder herumreißen?
Der Plan für mutige Reformen

Erster Baustein ist eine umfassende Steuerreform: Unternehmensteuersatz runter auf unter 25 Prozent, vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und Sofortabschreibungen für grüne Investitionen. Merz spricht von einer „Investitionsoffensive made in Germany“.
Zweiter Baustein: ein „Bürokratie-Moratorium“, das jedes neue Gesetz mit einem Streichen alter Vorschriften koppelt. Dazu kommen vereinfachte Visa- und Anerkennungsverfahren, um Fachkräfte schneller anzuwerben.
Doch der Kanzler denkt nicht nur an Zahlen – es geht auch ums industrielle Herz des Landes …
Rückenwind für Industrie und Mittelstand

Für energieintensive Betriebe plant Merz einen befristeten Industriestrompreis von 6 ct/kWh, finanziert aus CO₂-Zertifikatserlösen. Parallel soll ein Mittelstands-Innovationsfonds 20 Milliarden Euro privates Kapital hebeln, um Hidden Champions bei der Transformation zu unterstützen. „Es darf kein Werk geschlossen werden, weil Politik zu langsam reagiert“, heißt es im Brief.
Begleitet wird das Paket von einer Task-Force, die Genehmigungsverfahren halbieren will. Ziel: Spatenstich für neue Anlagen in maximal zwölf Monaten.
Doch wie genau will Merz Deutschland nun wirklich auf Kurs bringen?
Der Kurswechsel: Vier Hebel für Deutschland

1) Steuer-Turbos – eine lineare Einkommenssteuerkurve mit Höchstsatz erst ab 70 000 Euro.
2) Bürokratie-Reset – digitales One-Stop-Portal für alle Genehmigungen bis Sommer 2026.
3) Energieoffensive 2030 – beschleunigter Ausbau von Kernfusion-Pilotreaktoren und Offshore-Wind, flankiert von einem CO₂-armen Gasreserve-Pool.
4) Digitalisierungs-Boost – 5G- und Glasfaserpflicht für jedes Gewerbegebiet, plus KI-Förderprämien.
Merz nennt diese vier Punkte „die Hebel, die das Wachstumsrad wieder drehen“. Er verspricht erste Gesetzespakete noch vor der Sommerpause – Fortschrittsberichte sollen quartalsweise im Bundestag erfolgen.
Doch kommen diese Pläne überhaupt durch das Parlament?
Der Weg durch den Bundestag

Die SPD signalisiert grundsätzliches Wohlwollen, verlangt jedoch „Ausgewogenheit zwischen Ökonomie und Sozialem“. Die Grünen opponieren gegen den Industriestrompreis, die FDP drängt auf noch schärfere Steuersenkungen. Merz setzt auf sein Verhandlungsgeschick und droht notfalls mit Vertrauensfrage.
Im Februar startet die Haushaltsklausur, im März folgt die erste Lesung des Reformpakets. Beobachter erwarten einen heißen Frühling – der Kanzler verkündet indes selbstbewusst: „Am 1. Juli zünden wir den Standort-Turbo.“
Ob der Plan aufgeht, zeigt sich schon im Frühjahrshaushalt.