Die Stunde des **Tobias Rausch**

Erst als der Gong der Hausmeister verklungen ist, spricht die Alterspräsidentin den entscheidenden Satz: „Ich gratuliere Tobias Rausch zur Wahl zum Präsidenten des Landtages von Sachsen-Anhalt.“ Der 35-Jährige, gelernter Immobilienkaufmann, wirkt kein bisschen triumphal – eher diszipliniert, fast nüchtern. In seiner Antrittsrede verspricht er, „überparteilich“ zu handeln, „den demokratischen Diskurs zu schützen“ und „jedem Abgeordneten mit Respekt zu begegnen“.
Zugleich sendet er deutliche Signale an seine Basis. Man werde „die Regeln des Hauses strikt einfordern“ und „Christianisierung des Plenums“ – ein rhetorischer Seitenhieb auf linke Zwischenrufe – nicht zulassen. Für die AfD ist dieser Moment mehr als Symbolpolitik: Mit dem Präsidiumsvorsitz erhält die Partei Zugriff auf Geschäftsordnung, Tagesordnungshoheit und Teile des Parlamentsbudgets. Regierung wird sie damit zwar nicht, aber sie gewinnt institutionelles Gewicht – und das bundesweit erstmals auf höchster Landtagsebene.