Bargeldlos zu bezahlen ist längst Alltag – doch erst jetzt rückt eine gesetzliche Pflicht für digitale Zahloptionen in Restaurants greifbar nahe.
Das Ende von „Cash only“ rückt näher

In hippen Bars hängt noch immer das handgeschriebene Schild „Nur Bargeld“. Doch ein Beschluss des Bundesrats vom 17. Oktober 2025 setzt genau hier an: Künftig soll jede Gaststätte mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. Die Länder Niedersachsen und Hamburg haben die Initiative angestoßen, um Service-Lücken zu schließen und den Bezahlalltag zu modernisieren.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Parallel plant die Bundesregierung zum 1. Januar 2026 eine erneute Mehrwertsteuersenkung für Speisen. Wer Steuern spart, soll im Gegenzug Transparenz liefern – so die politische Botschaft.
Weiter geht’s mit den Motiven hinter dem Vorstoß …
Steuerehrlichkeit als Hauptargument

Finanzminister Gerald Heere (Grüne) sprach im Bundesrat Klartext: Digitale Zahlspuren erschweren Manipulationen und Steuerhinterziehung, die dem Fiskus jährlich Millionen kosten. Eine Kartenzahlung hinterlässt Belege, die Prüfer*innen digitale Referenzen liefern – ganz ohne aufwendige Quittungsjagd.
Gleichzeitig verspricht sich die Politik einen faireren Wettbewerb. Wer bislang konsequent Steuern entrichtete, fühlte sich benachteiligt gegenüber Bars mit „offener Ladenkasse“. Jetzt sollen gleiche Regeln für alle gelten.
Doch wie reagieren die Gastronom*innen darauf? …
Sorgen um Gebühren und Geräte

Viele Wirt*innen fürchten, dass Kartenterminals zusätzliche Kosten verursachen. Servicepauschalen von Zahlungsanbietern und Transaktionsgebühren sind für kleine Kneipen spürbar. Außerdem müssen Geräte installiert und geschultes Personal bereitstehen – mitten in einer Phase, in der Margen ohnehin knapp sind.
Verbände verlangen daher eine Anschubförderung: Zuschüsse für Terminals, vereinfachte Vertragsbedingungen und eine Deckelung der Gebühren sollen verhindern, dass die Pflicht zur Belastung wird.
Im nächsten Abschnitt schauen wir, welche Chancen die Branche dennoch sieht …
Service-Plus als neuer Wettbewerbsvorteil

Immer mehr Gäste zücken Smartphone oder Smartwatch statt Münzbeutel. Wer digitale Zahlung akzeptiert, spart sich Diskussionen um Kleingeld, beschleunigt Bestellungen und erhöht nachweislich den Trinkgeld-Durchschnitt. Branchenstudien zeigen: Kartenzahler geben im Schnitt sieben Prozent mehr aus als Barzahler.
Restaurants, die früh aufrüsten, werben bereits offensiv: „Tap-to-Pay willkommen!“ Schnellerer Tischumschlag und kontaktloses Bezahlen während Stoßzeiten werden so zum Verkaufsargument gegenüber der Konkurrenz.
Und was sagen eigentlich die Verbraucher*innen? …
Klare Mehrheit der Gäste ist bereit

Laut einer repräsentativen Umfrage der Initiative Deutsche Zahlungssysteme von April 2025 wünschen sich 78 Prozent der Deutschen eine flächendeckende Kartenakzeptanz in der Gastronomie. Besonders die Altersgruppe 18–29 würde Bargeld am liebsten ganz abschaffen.
Gleichzeitig betonen Verbraucherschützer*innen: Barzahlung darf nicht verschwinden, sie bleibt für Kinder, Ältere und Menschen ohne Konto wichtig. Die geplante Regel lautet deshalb: „Bargeld und mindestens eine digitale Option“ – Wahlfreiheit statt Zwang.
Bleibt die Frage, wann genau „Cash only“ endgültig Geschichte ist …
Fahrplan bis 2026: Was nun auf Restaurants zukommt

Der Gesetzentwurf zum Steueränderungsgesetz 2025 soll noch vor Weihnachten den Bundestag passieren. Ab 1. Juli 2026 hätten alle Gastronomiebetriebe sechs Monate Zeit, ein Kartenterminal oder vergleichbare Lösung einzurichten. Verstöße könnten ab 2027 mit Bußgeldern von bis zu 5 000 Euro geahndet werden.
Damit fällt die wohl letzte Bastion des Bargelds. Ob es wirklich das „Schluss mit Bargeld“ wird, entscheidet letztlich die Akzeptanz der Gäste – doch die Karten dafür liegen nun auf dem Tisch.
Weiter geht’s mit … dem nächsten großen Bezahltrend: dem digitalen Euro.