Jetzt wird es persönlich

Am späten Sonntagabend platzte schließlich die Nachricht in die Öffentlichkeit: Die sozialdemokratische Doppelspitze – Bärbel Bas und Lars Klingbeil – geht auf direkten Konfrontationskurs zu Bundeskanzler Friedrich Merz. In Fernsehinterviews und Hinterzimmergesprächen ließen beide durchblicken, dass sie die geplante Abschaffung der Rente mit 63 nicht mittragen wollen. Diese Position stellt eine offene Kampfansage an das Kanzleramt dar, das die Empfehlungen der Rentenkommission bislang unverändert umsetzen wollte.
Unterstützung erhalten Bas und Klingbeil vom jungen SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf, der eine „klare, kluge Analyse“ der Wahlschlappe forderte und die Renten-, Pflege- und Haushaltsreformen als „unverhandelbare Kernfelder“ sozialdemokratischer Identität bezeichnete. Für die Koalition bedeutet das: Kompromisse müssen neu verhandelt werden – andernfalls droht eine Zerreißprobe, die weit über Personalfragen hinausgeht.
Ob der Bundeskanzler nachgibt oder die Fronten weiter verhärten, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Fest steht: Die SPD hat den politischen Schlagabtausch eröffnet – und diesmal dürfte sie nicht bereit sein, als Erste zurückzuweichen.