Eigentlich sollte es für mehr als 2.400 Urlauber in die Sonne gehen. Doch kaum hatte das Kreuzfahrtschiff am Sonntag abgelegt, wurde es von einer heftigen Sturmböe erfasst und gegen zwei Containerschiffe gedrückt. Rettungsboote wurden zerstört, eine Bordwand aufgerissen. Jetzt ist klar: Die Reise ist vorbei, bevor sie richtig begonnen hat.
Plötzlich packt eine Böe den Ozeanriesen

Ein großes Kreuzfahrtschiff ist am Sonntag direkt nach dem Ablegen mit zwei Containerschiffen zusammengestoßen. An Bord waren Tausende Urlauber, die eine wochenlange Reise vor sich hatten. Nun steht fest, dass daraus nichts wird.
Betroffen ist die „Mein Schiff 3“ der Reederei TUI Cruises. Das Schiff verließ mit Unterstützung von Schleppern den Hafen, als es nach Angaben der Polizei von einer Böe erfasst wurde. Der Ozeanriese trieb daraufhin auf zwei Containerschiffe zu, die an einer Kaje festgemacht hatten. Zunächst war nur von einem beteiligten Frachter die Rede, später korrigierte die Polizei die Angabe auf zwei.
An Bord befanden sich laut TUI Cruises 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder. Die gute Nachricht: Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt.
> „Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keine Personenschäden.“
> – TUI Cruises
Rettungsboote zerstört, Bordwand aufgerissen

Die Wucht des Aufpralls war erheblich. Die Polizei spricht von beträchtlichem Sachschaden an allen drei Schiffen. Wasser drang nach Polizeiangaben aber nirgends ein, denn die Schäden lagen jeweils mehrere Meter über der Wasserlinie.
Am Kreuzfahrtschiff wurden laut Polizei Rettungsboote, die dazugehörigen Kräne und die Außenhaut beschädigt. Das Fachportal „Schiffe und Kreuzfahrten“ berichtet zudem von:
– einem beschädigten Rumpf an der Steuerbordseite im vorderen Bereich
– drei zerstörten Rettungsbooten, die samt Aufhängung wohl ein Totalschaden sind
– beschädigten Relings und zahlreichen zerbrochenen Scheiben
– einer in Mitleidenschaft gezogenen Brückennock, an der mindestens ein Scheinwerfer herabhängt
| Schiff | Gemeldete Schäden |
|—|—|
| Mein Schiff 3 | Rettungsboote, Kräne, Außenhaut, Relings, Scheiben |
| MSC Victorine (größeres Containerschiff) | Bordwand auf mehreren Metern aufgerissen, Containerführungen verformt |
| MSC Anne F (kleineres Containerschiff) | Nach bisherigen Berichten keine größeren Schäden |
Bei der MSC Victorine soll die Bordwand laut „Schiffe und Kreuzfahrten“ auf rund zehn Metern Länge aufgerissen sein.
Bange Stunden an Bord: Das sagten Crew und Kapitän

Für die Passagiere begann nach dem Knall eine Nacht voller Ungewissheit. Laut t-online versuchte die Kreuzfahrtdirektorin, die Gäste per Durchsage zu beruhigen:
> „Es ist nichts Schlimmes passiert, Sie können ganz beruhigt sein.“
> – Kreuzfahrtdirektorin der „Mein Schiff 3“ (laut t-online)
Gleichzeitig bat sie die Gäste, „aus Sicherheitsgründen nun die Außenbereiche vollkommen zu verlassen“.
Kapitän Jan Schubert dankte den Passagieren für ihre Ruhe und Geduld. Die Schäden würden geprüft, dafür nehme man sich die „notwendige Zeit“. Und weiter: „Unsere Crew ist für Sie da.“ Die Gäste blieben über Nacht an Bord. Am Montagmorgen meldete sich der Kapitän erneut und überbrachte die schlechte Nachricht.
Reise abgesagt: Das Schiff muss in die Werft

TUI Cruises hat die geplante 20-tägige Kanaren-Kreuzfahrt abgesagt. Nach Angaben einer Sprecherin machen die festgestellten Schäden kurzfristige Reparaturen in einer Werft nötig. Welche Werft das ist und wie lange die Arbeiten dauern, ist noch offen.
Die Reederei nannte die Entscheidung „außerordentlich schwer“. Sie sei aber die einzig verantwortungsvolle, um die eigenen Sicherheitsstandards einzuhalten.
> „Die einzig verantwortungsvolle Entscheidung.“
> – TUI Cruises über die Absage der Reise
Auf dem Programm hätten unter anderem diese Häfen gestanden:
– La Coruña
– Porto
– Lissabon
– Madeira
– La Gomera
– Teneriffa
– Lanzarote
– Gran Canaria
Die Reise sollte vom 25. Oktober bis zum 14. November dauern. TUI Cruises kündigte an, sich proaktiv bei den Gästen zu melden, um die beste Lösung zu finden.
Unglück in Bremerhaven: Polizei ermittelt

Passiert ist der Zusammenstoß in Bremerhaven. Die „Mein Schiff 3“ hatte gerade an der Columbuskaje abgelegt, als sie laut Polizei Bremen „auf Höhe der Stromkaje von einer Böe erfasst“ wurde und auf die dort liegenden Containerschiffe zutrieb. Der Deutsche Wetterdienst hatte für Bremerhaven am Sonntag vor Windböen gewarnt.
Die Wasserschutzpolizei ermittelt nun, wie es genau zu dem Unfall kommen konnte. Die Dienststelle Schiffssicherheit verhängte für alle drei Schiffe ein Auslaufverbot. Die „Mein Schiff 3“ liegt wieder an der Columbuskaje, wo die Schäden begutachtet werden.
Was jetzt auf die Passagiere zukommt

Wie TUI Cruises die betroffenen Gäste konkret entschädigt, hat die Reederei bislang nicht mitgeteilt. Grundsätzlich gilt im deutschen Pauschalreiserecht: Sagt der Veranstalter eine Reise ab, bekommen Reisende den Reisepreis in der Regel zurück, und zwar innerhalb von 14 Tagen. Ob darüber hinaus Ansprüche bestehen, hängt unter anderem davon ab, ob die Sturmböe als unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand gewertet wird.
Offen ist auch, wie es mit der nächsten Reise weitergeht. Für die ab dem 14. November geplante Norwegen-Kreuzfahrt konnte TUI Cruises nach Angaben von „touristik aktuell“ noch keine Angaben machen.
| Steckbrief „Mein Schiff 3“ | |
|—|—|
| Reederei | TUI Cruises |
| Bauwerft | STX Finland, Turku |
| In Dienst seit | 2014 |
| Länge | 293,2 Meter |
| Breite | 35,8 Meter |
| Vermessung | 99.526 BRZ |
| Betten für Passagiere | rund 2.500 |
| Flagge | Malta |