Ein Routineabstieg endet in einer dramatischen Notlage: Ein deutscher Bergsteiger gerät in eine tückische Spalte – und wird von einem tonnenschweren Felsbrocken gefangen. Rettungskräfte eilen herbei, doch vor Ort wird schnell klar: Diese Mission wird alles andere als gewöhnlich.
Minuten, die sich wie Stunden anfühlen

Der Nachmittag schien zunächst harmlos zu verlaufen, als der erfahrene Alpinist gemeinsam mit zwei Begleitern den Gletscher hinunterstieg. Plötzlich brach der Firn unter seinen Stiefeln – und er verschwand im Nichts. Seine Partner hörten nur ein dumpfes Krachen, dann gähnende Stille.
Als die ersten Hilferufe an die Leitstelle abgesetzt werden, ahnt niemand das Ausmaß der Lage. Während der Notruf läuft, kämpft der Verunglückte in der Tiefe bereits gegen die Angst an: Über ihm wippt eine Steinplatte, schwer genug, um jede Bewegung zu ersticken.
Wettlauf gegen die Dämmerung

Noch bevor der erste Rotor am Himmel auftaucht, bahnt sich eine Bodenmannschaft den Weg über Moränen und steiles Eis. Jede Minute zählt – das Licht schwindet, die Temperaturen sinken rapide.
Oben an der Spaltenkante hören die Retter den Mann stöhnen, mehr nicht. Erst als ein Spezialist hinabgelassen wird, zeigt sich das ganze Drama: Ein Block von rund 200 Kilogramm klemmt das Bein des Bergsteigers ein; seine Sauerstoffreserve schrumpft mit jedem Atemzug.
Technik am Limit

Die Crew improvisiert einen Flaschenzug, kombiniert Seile, Karabiner und die begrenzte Hubkraft eines transportablen Windensystems. Zentimeterweise heben sie den Fels an, während ein Notarzt intravenöse Schmerzmittel verabreicht.
Mehrmals droht das provisorische System nachzugeben. Doch schließlich gibt die Steinplatte nach – und der Eingeklemmte kann vorsichtig aus der Spalte gezogen werden, noch immer ansprechbar, aber gezeichnet von Quetschungen und Unterkühlung.
Endlich Gewissheit

Erst im Morgengrauen wird das ganze Bild klar: Die spektakuläre Rettung spielte sich auf dem Sulzenauferner in den Stubaier Alpen in Tirol ab, nur wenige Kilometer oberhalb von Neustift. Per Hubschrauber wird der 69-Jährige ins Krankenhaus Hall geflogen – lebend, dank eines beispiellosen Kraftakts von 17 Bergrettern, 20 Feuerwehrleuten und zwei Helikoptern.
Ärzte bescheinigen ihm gute Chancen, bald wieder gehen zu können. Der schwerste Ballast aber, sagen die Helfer, bleibe in jener Spalte zurück – zusammen mit dem Stein, der für Stunden das Schicksal eines Menschen bestimmte.