Mitten in der Nacht steht eine Baustelle in Flammen: Als die Feuerwehr eintrifft, brennen bereits mehrere schwere Baumaschinen lichterloh. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus – und weil ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen ist, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.
Das Gelände ist kein gewöhnliches Bauprojekt. Hier soll in den kommenden Jahren ein Vorhaben entstehen, das bundesweit Aufmerksamkeit bekommen hat. Was in der Nacht zum Freitag geschah, was die Ermittler bisher wissen und wem die Baustelle gehört.
Flammen mitten in der Nacht

In der Nacht zum Freitag, 30. Oktober 2026, hat es auf einer Großbaustelle gebrannt. Mehrere Baumaschinen gingen in Flammen auf. Die Polizei vermutet eine gezielte Tat und hat Spezialisten eingeschaltet.
Nach Angaben der Polizei bemerkte ein Zeuge gegen 3:15 Uhr einen Flammenschein auf dem Gelände und alarmierte Feuerwehr und Polizei. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte standen offenbar drei Baufahrzeuge, darunter Radlader, bereits in Flammen. Daneben abgestellte Maschinen wurden ebenfalls beschädigt.
Gegen 5 Uhr waren die Löscharbeiten beendet. Wie hoch der Schaden ist, ist noch unklar.
Die Baustelle eines Rüstungskonzerns

Brisant ist, wem die Baustelle zuzuordnen ist: Nach Angaben des Hessischen Rundfunks handelt es sich um eine Baustelle des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Der Düsseldorfer Konzern hatte im August angekündigt, auf dem Gelände bauen zu wollen.
Geplant ist dort unter anderem ein Logistikzentrum für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Ob der Brand mit diesem Vorhaben in Zusammenhang steht, ist bislang offen. Die Hintergründe der Tat sind noch unbekannt.
Staatsschutz übernimmt die Ermittlungen

Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Weil ein politisches Motiv möglich ist, hat die Kriminalinspektion Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Der Tatort wurde für die Spurensicherung abgesperrt.
Der aktuelle Stand im Überblick:
– Gesichert: Drei Baufahrzeuge brannten, weitere wurden beschädigt.
– Vermutung der Polizei: vorsätzliche Brandstiftung.
– Geprüft wird: ein mögliches politisches Motiv – festgestellt ist es bislang nicht.
– Offen: Täter, Schadenshöhe und ob es ein Bekennerschreiben gibt. Den bisherigen Berichten zufolge ist keines bekannt.
Tatort: Gewerbepark am Flughafen

Die Baustelle liegt in Calden im Landkreis Kassel (Nordhessen) – auf dem Gelände des alten Flugplatzes, in einem Gewerbepark südlich der Bundesstraße B7, nahe dem Kassel Airport. Ermittelt wird vom Staatsschutz des Polizeipräsidiums Nordhessen.
Die Löscharbeiten waren schwierig: Laut hessenschau gibt es auf dem Gelände keine öffentliche Wasserversorgung. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Calden rückte deshalb auch die Flughafenfeuerwehr des Kassel Airport an, um die Wasserversorgung sicherzustellen.
Das plant der Konzern dort

Am 27. August 2026 hatten Rheinmetall-Chef Armin Papperger, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) den „Defence Hub Nordhessen“ vorgestellt. Am Kassel Airport sollen ein Logistik- und Technologiezentrum sowie ein Drohnen-Testzentrum entstehen.
| Defence Hub Nordhessen | Angaben |
|—|—|
| Investition Rheinmetall | rund 260 Millionen Euro (laut hessenschau) |
| Förderung Land Hessen | 25 Millionen Euro (laut hessenschau) |
| Neue Arbeitsplätze | mehr als 1.000 in Kassel und Calden, davon rund 130 am Flughafen |
| Nutzfläche Logistikzentrum | über 30.000 Quadratmeter |
| Geplante Inbetriebnahme | Ende 2027 |
Papperger nannte das Logistikzentrum damals laut Rheinmetall-Mitteilung:
> „ein zentrales Element unserer Wachstumsstrategie im Bereich der taktischen Fahrzeuge“
> – Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG
Rhein sprach von einem künftigen „Wachstumsmotor für die starke Region Nordhessen“.
Nicht das erste Feuer beim Konzern – Polizei sucht Zeugen

Rheinmetall stand bereits früher im Visier mutmaßlich politisch motivierter Täter. Ende April 2024 brannte laut Medienberichten auf dem Grundstück von Konzernchef Papperger in Niedersachsen ein Gartenhaus. Auf der Plattform Indymedia tauchte damals ein Bekennerschreiben aus dem linksextremen Spektrum auf. Ob es zwischen diesem Fall und dem Feuer in Calden einen Zusammenhang gibt, ist nicht bekannt.
Die Ermittler sind nun auf Hinweise angewiesen. Wer in der Nacht zum Freitag im Bereich der Baustelle südlich der B7 verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat, soll sich bei der Polizei melden:
Polizeipräsidium Nordhessen, Telefon 0561 / 9100