Endgültig sollte es am frühen Mittwochmorgen vorbei sein – doch was sich hinter den Mauern des Riverbend Maximum Security Institution in Nashville abspielte, sprengte jede Erwartung.
Ein ungewöhnlicher Morgen im Gefängnis

Noch vor Sonnenaufgang waren die Protokolle bis ins Detail festgelegt, die Zeugenlisten genehmigt, die Uhrzeiten abgestimmt. Für die Öffentlichkeit schien alles auf eine routinierte Vollstreckung hinauszulaufen, wie sie der US-Bundesstaat Tennessee seit Jahren praktiziert.
Dennoch lag eine eigentümliche Spannung in der Luft. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gefängnisses sprachen von einer „spürbaren Nervosität“, die sich schon in den frühen Morgenstunden bemerkbar gemacht habe. Niemand konnte damals ahnen, dass diese Anspannung bald einen dramatischen Höhepunkt erreichen würde.
Juristische Wendungen in letzter Minute

Während die Gefängnismauern noch schweigen mussten, überschlugen sich draußen die Eilmeldungen. Gleich mehrere Gerichte beschäftigten sich in Rekordtempo mit Anträgen der Verteidigung, die das Leben der Verurteilten doch noch retten sollten. Ein Bundesberufungsgericht setzte die Vollstreckung kurzfristig aus – nur um wenig später vom Obersten Gericht der USA wieder kassiert zu werden.
Dieser juristische Schlagabtausch erzeugte ein Klima der Unsicherheit: Würde die Hinrichtung tatsächlich stattfinden? Oder würde erneut ein Aufschub erfolgen? Beobachter verglichen das Hin und Her mit einem „Rechts-Pendeln“, das niemand vorhersehen konnte und alle Beteiligten an die Grenzen der Belastbarkeit brachte.
Beobachter berichten von chaotischen Szenen

Kurz nach zehn Uhr wurden die geladenen Medienvertreter schließlich in den Zeugenraum geführt. Dort schilderten sie später eine Atmosphäre aus angespannter Stille und versteckter Hektik. Immer wieder hätten Wärter und medizinisches Personal hastig miteinander geflüstert, Protokolle konsultiert, Telefone bedient.
Auch im Saal selbst kam es zu irritierenden Momenten. Einige Zeugen berichteten von mehrfachen Unterbrechungen, während derer Vorhänge zugezogen und Türen verriegelt wurden. Trotz aller Routine wirkte der Ablauf weniger geordnet, als man es von einer derart streng reglementierten Prozedur erwarten würde.
Die schockierende Wendung nach der Injektion

Erst als eine Stunde vergangen war, wurde das ganze Ausmaß des Dramas klar: Christa Pike, die laut Protokoll bereits zwei Dosen der Giftspritze erhalten hatte, zeigte weiterhin deutliche Lebenszeichen. Augenzeugen sahen, wie sich ihr Brustkorb hob und senkte, während medizinisches Personal hektisch Vitalwerte prüfte.
Die Verantwortlichen brachen den Vorgang schließlich ab und brachten die Gefangene in ein nahegelegenes Krankenhaus. Damit wurde aus der geplanten Vollstreckung die wohl spektakulärste gescheiterte Hinrichtung der jüngeren US-Geschichte – und Tennessee steht nun vor der Frage, wie es nach diesem beispiellosen Fiasko weitergehen soll.