Schock für Tausende Beschäftigte: Ein großer deutscher Industriekonzern hat am Dienstag ein neues Sparprogramm verkündet. Mehrere Tausend Stellen sollen wegfallen, vier Standorte in Deutschland sollen ganz verschwinden. Sogar der Vorstand soll auf Gehalt verzichten. Wen es trifft, welche Standorte betroffen sind und wie es jetzt weitergeht.
Harter Einschnitt: Tausende Jobs fallen weg

Erneut trifft eine schlechte Nachricht die deutsche Industrie. Ein großer Konzern will in den kommenden Jahren Tausende Stellen streichen und ganze Standorte aufgeben. Für viele Beschäftigte beginnt damit eine Zeit der Unsicherheit.
Das Unternehmen hat das Programm am 3. November 2026 angekündigt. Die meisten Maßnahmen sollen 2027 und 2028 umgesetzt werden. Betroffen sind Produktion, Forschung und Verwaltung. Und es ist nicht das erste Sparprogramm des Konzerns.
Diese Firma steckt hinter dem Stellenabbau

Es geht um den Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler. Das börsennotierte Familienunternehmen liefert unter anderem Teile für Antriebe, Lager und Fahrwerke an Autohersteller und die Industrie. Seit der Fusion mit Vitesco im Herbst 2024 gehört Schaeffler zu den größten Zulieferern in Deutschland.
Als Grund nennt der Konzern die schwierige Lage im Autogeschäft. In der Pressemitteilung heißt es, das Umfeld sei
> „bei insgesamt rückläufiger Marktentwicklung und zunehmender Wettbewerbsintensität durch eine abgeschwächte Nachfrage im Geschäft mit Verbrennerfahrzeugen und einem verzögerten Hochlauf der Elektromobilität gekennzeichnet“.
> – Schaeffler AG, Pressemitteilung vom 3. November 2026
Dazu kommen laut Unternehmen überdurchschnittlich hohe Personalkosten pro Kopf in Deutschland und eine zu komplexe Organisation mit zu vielen Führungsebenen.
Die Zahlen im Überblick

Insgesamt will Schaeffler in Europa unterm Strich 3.460 Stellen abbauen. Der größte Teil davon entfällt auf Deutschland.
| Kennzahl | Wert laut Schaeffler |
|—|—|
| Stellenabbau Europa (netto) | rund 3.460 |
| davon in Deutschland | rund 2.660 |
| davon im übrigen Europa | rund 800 |
| betroffene Standorte in Europa | 16 |
| Standorte, die geschlossen werden sollen | 5 (davon 4 in Deutschland) |
| geplante Einsparungen | rund 300 Mio. Euro pro Jahr ab 2030 |
| einmalige Kosten | rund 480 Mio. Euro |
| Zeitraum der Maßnahmen | überwiegend 2027 und 2028 |
So verteilt sich der Abbau auf die Bereiche:
– rund 50 Prozent in der Produktion
– rund 30 Prozent in Forschung und Entwicklung
– rund 20 Prozent in weiteren Funktionen
In Deutschland entspricht das laut Schaeffler rund 8 Prozent der Stammbelegschaft, die Ende September bei 31.957 Beschäftigten lag. Rechnet man frühere Programme und 1.800 bereits geschlossene Altersteilzeitverträge hinzu, steigt der Anteil bis 2028 auf rund 18 Prozent.
Diese vier Standorte in Deutschland sollen schließen

Schaeffler hat seinen Sitz im fränkischen Herzogenaurach. Geschlossen werden sollen aber vor allem Standorte außerhalb Bayerns. Laut Unternehmen sollen diese Standorte perspektivisch aufgegeben werden:
| Standort | Beschäftigte | Was geplant ist |
|—|—|—|
| Dortmund (Nordrhein-Westfalen) | 430 | Schließung, Fertigung von Verbrenner-Produkten |
| Morbach (Rheinland-Pfalz) | 160 | Schließung, Fertigung von Verbrenner-Produkten |
| Berlin | rund 270 | Aktivitäten werden eingestellt |
| Schwalbach am Taunus (Hessen) | rund 385 | Standort wird aufgegeben, viele sollen nach Frankfurt wechseln, rund 190 Stellen betroffen |
| Herstal (Belgien) | rund 15 | Schließung |
Auch an anderen Standorten wird gekürzt. Der Werkzeugbau in Höchstadt soll eingestellt werden, im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt sind Anpassungen geplant. Kapazitäten und Strukturen werden unter anderem in Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg angepasst. Im Ausland sind auch Haguenau und Toulouse (Frankreich) sowie Skalica und Kysuce (Slowakei) betroffen. Die Details sollen die Beschäftigten in lokalen Mitarbeiterversammlungen erfahren.
Gehaltsverzicht bis hoch zum Vorstand

Neu an diesem Programm ist ein sogenannter Solidaritätsbeitrag: ein befristeter, freiwilliger Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnt und über alle Hierarchieebenen gehen soll. Die genaue Ausgestaltung muss noch mit den zuständigen Gremien abgestimmt werden. Laut Schaeffler wäre der Stellenabbau ohne diesen Beitrag größer ausgefallen. Vorstandschef Klaus Rosenfeld sagt:
> „Das wichtigste Element des Programms – auch im Vergleich zu vorangegangenen Programmen – ist der Solidaritätsbeitrag, der unter anderem einen temporären Gehaltsverzicht über alle Hierarchieebenen hinweg umfassen soll.“
> – Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG
Der Abbau soll möglichst sozialverträglich ablaufen. Grundlage ist eine Zukunftsvereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern aus dem Jahr 2018. Personalvorständin Dr. Astrid Fontaine betont: „Als Familienunternehmen ist es uns besonders wichtig, dass wir die notwendigen Maßnahmen im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen sozialverträglich umsetzen.“
Schon im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen in Europa angekündigt, davon mehr als 2.800 in Deutschland. Die IG Metall hatte das damals scharf kritisiert und auf die Zukunftsvereinbarung gepocht, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließen soll.
Neue Hoffnung: Roboter und Verteidigung

Ganz ohne Perspektive will Schaeffler die Beschäftigten nicht lassen. Ein Teil der wegfallenden Stellen soll durch neue Geschäftsfelder ausgeglichen werden. Produktionsvorstand Dr. Jochen Schröder sieht „vielversprechende Wachstumschancen in Zukunftsfeldern, vor allem in den Bereichen Humanoide Robotik und Verteidigung“. Dabei könne der Konzern auf Know-how aus dem Kerngeschäft zurückgreifen.
Vorstandschef Rosenfeld kündigt an, man werde „neben dem Stellenabbau alles daransetzen, neue Wachstumsfelder zu erschließen und so weit wie möglich rückläufige Aktivitäten durch neues Geschäft zu ersetzen“. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Für die Beschäftigten an den betroffenen Standorten folgen nun die Gespräche zwischen Unternehmen und Betriebsräten.
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