Ein deutsches Schwimmbad sorgt mit seiner Entscheidung für eine Menge Diskussionen.
Ein Schwimmbad sorgt für Diskussionen

Eigentlich sollte das neue „Volksbad“ vor der Berliner Volksbühne ein Treffpunkt für alle sein. Kostenlos, ohne Ausweiskontrolle und offen für die Berliner Stadtgesellschaft.
Doch ausgerechnet ein einzelner Termin sorgt nun für Diskussionen. Denn an einem Tag im August soll das Pop-up-Schwimmbad nicht allen Besuchern offenstehen.
Auf der Website der Volksbühne wird für Freitag, den 14. August, ein besonderer Zeitraum angekündigt: Das Bad soll dann „exklusiv für Schwarze Communities geöffnet“ sein.
Von 12 bis 18 Uhr steht das Becken damit nicht der Allgemeinheit zur Verfügung.
Ein Tag ist ausschließlich für Schwarze Communities reserviert

Die Ankündigung sorgt vor allem deshalb für Gesprächsstoff, weil das „Volksbad“ ursprünglich mit einem anderen Anspruch beworben wurde.
Die Volksbühne hatte das Projekt als „sommerliche Einladung“ und als Ort gegen Ausgrenzung und Kommerzialisierung angekündigt.
Für den 14. August gelten jedoch besondere Regeln. Auf der Website bittet die Volksbühne darum, „diese kollektive Selbstbezeichnung und die damit verbundenen Räume zu respektieren“.
Damit wird ein Teil des Angebots für mehrere Stunden bewusst einer bestimmten Community vorbehalten.
Diese Organisation steht hinter dem Termin

Der besondere Badetag findet in Zusammenarbeit mit EOTO statt, einer Organisation, die soziale und kulturelle Angebote für Schwarze Menschen anbietet.
Die Organisation wird unter anderem durch öffentliche Mittel von Bund und Land Berlin finanziert.
Das Konzept solcher Veranstaltungen wird von Befürwortern vor allem mit dem Gedanken begründet, Menschen, die Rassismus erfahren, geschützte Räume zu ermöglichen.
Gleichzeitig stellt sich bei einem öffentlich finanzierten Kulturprojekt die Frage, wie ein solcher exklusiver Termin zum ursprünglichen Anspruch des „Volksbads“ passt.
Das „Volksbad“ sollte eigentlich allen offenstehen

Das Pop-up-Schwimmbad entstand vor dem Hintergrund des knappen Berliner Bäderangebots.
Der neue Volksbühnen-Chef Matthias Lilienthal erklärte gegenüber dem ZDF: „Die Hälfte der Hallen- und Freibäder sind zu, da haben wir gedacht, wir helfen dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner.“
Das ungewöhnliche Projekt passt dabei bewusst zum Selbstverständnis des Theaters.
Lilienthal sagte laut RBB, die Volksbühne verstehe unter theatralischen Events auch Situationen, „wenn zwei Leute sich nass spritzen“.
Das Schwimmbad sollte damit nicht nur Abkühlung bieten, sondern zugleich eine ungewöhnliche kulturelle Aktion sein.
300.000 Euro für das Pop-up-Schwimmbad

Auch die Dimension des Projekts sorgt für Aufmerksamkeit.
Nach Angaben des Theaters kostet das „Volksbad“ rund 300.000 Euro. Erwartet werden insgesamt etwa 20.000 Gäste.
Das Becken ist 25 Meter lang und lediglich 1,30 Meter tief. Gleichzeitig darf die Zahl der Schwimmer auf maximal 46 Personen begrenzt werden.
Wer das Bad besuchen möchte, braucht zudem einen der online buchbaren Zeit-Slots. Einen garantierten Zugang gibt es also ohnehin nicht.
Schutzraum oder Widerspruch zum eigenen Anspruch?

Der exklusive Termin am 14. August bringt damit zwei unterschiedliche Perspektiven zusammen.
Befürworter können darin einen bewussten Schutzraum für Schwarze Menschen sehen, die von Rassismus betroffen sind. Kritiker könnten dagegen darauf verweisen, dass das „Volksbad“ ursprünglich ausdrücklich als offener Treffpunkt für alle Berliner angekündigt wurde.
Hinzu kommt die öffentliche Finanzierung der Volksbühne, die jährlich mit mehr als 20 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern bezuschusst wird.
So bleibt eine Frage im Raum: Wie weit darf ein öffentlich gefördertes Kulturprojekt bei der Gestaltung seiner Angebote gehen, wenn es zugleich den Anspruch erhebt, ein „Volksbad“ für alle zu sein?