Zwischen Puppen, KI und nackten Tatsachen: So wild ist die VENUS 2026

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Für viele gehört sie zum Oktober wie der Kürbis zu Halloween: die VENUS in Berlin. Seit 1997 lockt die Erotik- und Lifestylemesse neugierige Besucher, eingefleischte Fans und Stars der Erwachsenenunterhaltung in die Hauptstadt. Im vergangenen Jahr kamen nach Veranstalterangaben rund 34.000 Menschen. Auch bei der mittlerweile 29. Ausgabe gibt es wieder einiges zu entdecken.

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Rund 270 Aussteller aus mehr als 40 Ländern präsentieren ihre neuesten Erotik- und Lifestyleprodukte. Dazu kommen Live-Shows, Autogrammstunden und Meet-and-Greets mit bekannten Gesichtern der Porno- und Erotikbranche. Doch wer glaubt, auf der VENUS gehe es ausschließlich um nackte Haut und heiße Shows, wird schnell eines Besseren belehrt. Denn zwischen Sexpuppen mit künstlicher Intelligenz, ungewöhnlichen Erfindungen und prominenten Inszenierungen zeigt sich auch, wie sehr sich die Branche verändert. Und an welchen Stellen sie vielleicht noch etwas Nachhilfe gebrauchen könnte.

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Blitzlichtgewitter und viel nackte Haut zum Auftakt

Eröffnung der 29. VENUS auf dem Berliner Messegelände, 22.10.2026. Foto: IMAGO / PIC ONE (Günther Dorn)
Eröffnung der 29. VENUS auf dem Berliner Messegelände, 22.10.2026. Foto: IMAGO / PIC ONE (Günther Dorn)

Die Sonne strahlt über Berlin, als sich am Eröffnungstag die ersten Schaulustigen auf dem Vorplatz des Messegeländes versammeln. Zahlreiche Fotografen haben ihre Kameras bereits auf die Treppe gerichtet. Denn wie jedes Jahr beginnt die VENUS mit einem ganz besonderen Auftritt. Die diesjährigen Messebotschafterinnen, darunter Sally Dinosaur, Tamy Tation und natürlich VENUS-Dauerbrenner Micaela Schäfer, präsentieren sich in knappen schwarzen Dessous mit pinken Akzenten. Kaum haben sie sich positioniert, beginnt das Blitzlichtgewitter. Weitere Stars der Branche gesellen sich dazu, während sich die überwiegend männlichen Fotografen um die besten Schnappschüsse bemühen. Es ist ein Auftakt, der sich über die Jahre kaum verändert hat. Viel Haut, viele Kameras und jede Menge Aufmerksamkeit. Doch hinter den Kulissen bemüht sich die VENUS zunehmend darum, ein breiteres Publikum anzusprechen.

Mehr Diversität auf der VENUS? Zumindest ist der Wille da

Fahnen zum Thema Diversity auf der Erotikmesse VENUS, Berlin, 26.10.2024. Foto: IMAGO / IPON (Stefan Boness)
Fahnen zum Thema Diversity auf der Erotikmesse VENUS, Berlin, 26.10.2024. Foto: IMAGO / IPON (Stefan Boness)

Die Messe möchte inklusiver und vielfältiger werden. Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es beispielsweise seit Jahren spezielle Führungen mit Dragqueen Ella Mortadella. Dabei stehen nicht die visuellen Eindrücke, sondern das Tasten und Hören im Mittelpunkt. Auch Menschen mit Behinderungen sollen möglichst unkompliziert teilnehmen können. Das Messegelände ist rollstuhlgerecht, und wer aufgrund einer Schwerbehinderung eine Begleitperson benötigt, muss für diese keinen zusätzlichen Eintritt bezahlen. Selbst die Website soll künftig noch barriereärmer werden.

Ein Blick in die Messehallen zeigt allerdings, dass eine Zielgruppe weiterhin besonders stark vertreten ist: Männer. Alte Männer, junge Männer, Männer im Rollstuhl, Männer mit Rollator, Männer mit riesigen Kameras, Männer im Lederharness, Männer im Karohemd, Männer in Gruppen, Männer allein und Männer, die gleich ganz auf Kleidung verzichten. Die Vielfalt ist durchaus vorhanden. Sie hat nur auffällig häufig dasselbe Geschlecht. Zwar gibt es mittlerweile einen eigenen Queer-Bereich mit entsprechendem Programm. Und auch Frauen kommen bei speziellen Strip-Shows auf ihre Kosten. Allerdings muss man danach ein wenig suchen. In der vorletzten Halle, ziemlich weit hinten in einer dunklen Ecke, lassen die Juicy Boys die Herzen derjenigen höherschlagen, die sich schon immer gewünscht haben, dass „Magic Mike“ einmal Realität wird.

Doch selbst hier scheint sich langsam eine gewisse Routine einzuschleichen. Messebesucherin Mareike reist seit acht Jahren regelmäßig nach Berlin. Ein Besuch bei den männlichen Strippern gehört für sie fest zum Programm. „Die Shows machen zwar immer wieder Spaß, aber man sieht kaum neue Gesichter bei den Strippern. Ich würde auch gerne mal andere Männer sehen. Das finde ich ein wenig schade, dass es da so wenig Abwechslung gibt“, gibt sie etwas enttäuscht zu. Und damit spricht sie einen Punkt an, der sich auch auf anderen Bühnen beobachten lässt. Namen wie PussyKat oder die Dellai Twins gehören seit Jahren zum festen Inventar der VENUS. Die Performances ähneln sich, neue Überraschungen bleiben stellenweise aus. Den Männern in den ersten Reihen scheint das allerdings herzlich egal zu sein. Sie halten ihre Kameras und Camcorder bereit, um ihre Idole aus nächster Nähe zu erleben. Schließlich wird hier zur Realität, was sie sonst nur auf dem Bildschirm sehen.

Sexpuppen für jeden Geschmack: Wenn die künstliche Liebe immer echter wird

Besucherinnen schauen sich Sexpuppen auf der Erotikmesse VENUS an, Berlin, 2025. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Daniel Lakomski)
Besucherinnen schauen sich Sexpuppen auf der Erotikmesse VENUS an, Berlin, 2025. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Daniel Lakomski)

Abseits der Bühnen wird es technisch. Und stellenweise ziemlich kurios. In der ersten Messehalle präsentiert ein chinesischer Hersteller seine Auswahl an Sexpuppen. Wer sich keine komplette Silikonpartnerin ins Schlafzimmer stellen möchte, kann auch einzelne Körperteile erwerben. Ein Torso samt Genitalien? Kein Problem. Nur der Unterkörper? Ebenfalls erhältlich. Auffällig ist allerdings, dass ausschließlich weibliche Körper ausgestellt werden. Dabei hat der Hersteller nach eigenen Angaben auch vier männliche Modelle im Sortiment.

Die Preise beginnen bei rund 100 Euro. Wer tiefer in die Tasche greift, bekommt deutlich mehr geboten. Das teuerste ausgestellte Modell kann sich bewegen, seine Hüften kreisen lassen und sich sogar „enger machen“, wie der Hersteller erklärt. Es ist immer wieder zu beobachten, wie Männer vor einer der Puppen stehen und sie ausgiebig unter die Lupe nehmen. Besonders behutsam gehen sie dabei nicht vor. Mit ganzen Händen wird gedrückt, geknetet und getestet. Welche Modelle sich besonders gut verkaufen? Die Antwort dürfte kaum jemanden überraschen: schmale Taille, große Brüste, üppiger Po und möglichst jung wirkende Gesichtszüge.

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Auch die Chinesin Hu Yuwen präsentiert zahlreiche lebensgroße Silikonpuppen mit großen, von Hand bemalten Augen. Auf der Messe kosten sie 699 Euro. Normalerweise sei etwa das Doppelte fällig. Doch längst nicht jeder Käufer sucht ausschließlich nach sexueller Befriedigung. „Viele Männer kaufen sich eine unserer Puppen, weil sie nicht allein sein wollen und keine Partnerin finden. Das ist für sie dann eine Art Ersatz oder Kompromiss, auch wenn ich mir trotzdem die echte und vor allem lebendige Liebe für jeden wünsche.“

Ein paar Meter weiter geht die Entwicklung sogar noch einen Schritt weiter. Hier können die künstlichen Partnerinnen dank KI sprechen und auf Wunsch auch im passenden Moment stöhnen. Welche Reaktionen die Puppe zeigen soll, lässt sich bequem über eine App einstellen. Künstliche Intelligenz scheint also auch in der Erotikbranche zunehmend Fuß zu fassen. Doch nicht jeder ist von dieser Entwicklung begeistert. Erotikdarsteller Jason Steel betrachtet den Trend eher skeptisch. „Ich will nicht schlechtreden, dass es das gibt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das durchsetzen wird. Klar, es gibt schon seit Jahren Gummipuppen oder Dolls, die einem echten Menschen nahekommen sollen. Aber ich kann nur von mir aus sprechen, ohne meinen beruflichen Kontext da mit reinzubringen: Ich möchte eine Frau riechen können. Ich möchte sie berühren können und möchte ihre echte Reaktion dabei spüren. Ich möchte ihr in die Augen schauen und sie fragen, ob sie Lust hat, mit mir zu schlafen und ich möchte auch hier ihr echtes Empfinden spüren. Das kann mir keine KI geben.“ Ob künstliche Intelligenz irgendwann tatsächlich menschliche Nähe ersetzen kann, bleibt fraglich. Dass die Branche weiter an entsprechenden Produkten tüftelt, ist auf der VENUS jedenfalls nicht zu übersehen.

Ein Penis zum Mitnehmen? Auf der VENUS ist auch das möglich

Dass nicht jede Innovation eine künstliche Intelligenz benötigt, beweist Gianfranco Berrutti. Der Italiener kommt ursprünglich aus der Zahntechnik und ist auf Gebissabdrücke spezialisiert. Doch irgendwann entstand offenbar die Idee, dass sich mit ähnlicher Technik auch andere Körperteile ziemlich detailgetreu nachbilden lassen. Das Ergebnis: das BananaKit. Das Motto lautet: „Klone dein bestes Stück“. Männer können damit einen Abdruck ihres Penis anfertigen lassen. Aus diesem entsteht anschließend eine möglichst originalgetreue Nachbildung, auf Wunsch sogar mit eingebautem Vibrator.

Messebesucher Johannes hat das Ganze bereits ausprobiert. „Ich hab mir mal einige Penis-Klone angeschaut und fand die schon ziemlich gut und realistisch, konnte mir aber nicht direkt vorstellen, dass die das wirklich so nah am Original hinbekommen. Als Gag habe ich mir eines für meine Freundin machen lassen und war echt begeistert, wie gut das Ergebnis geworden ist.“ Als Beweis präsentiert er Bilder seines Originals und der Nachbildung. Selbstverständlich ganz diskret. Und tatsächlich: Die Ähnlichkeit ist erstaunlich groß. Manche Männer schenken ihrer Partnerin Blumen. Andere lassen eben ihr bestes Stück vervielfältigen.

Frauen auf der VENUS: Zwischen Sexsymbol und Selbstbestimmung

Besucherin an einem Dessous-Stand auf der Erotikmesse VENUS, Berlin, 2025. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Daniel Lakomski)
Besucherin an einem Dessous-Stand auf der Erotikmesse VENUS, Berlin, 2025. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Daniel Lakomski)

Doch wie sieht es eigentlich mit dem Frauenanteil auf der VENUS aus? Der steigt nach Angaben der Veranstalter zwar von Jahr zu Jahr. Trotzdem bleiben Männer mittleren Alters laut Pressesprecher die Kernzielgruppe. Das spiegelt sich auch im Messeprogramm wider. Hostessen verteilen Kondome, Lollis und Flyer oder animieren Besucher zum Drehen am Glücksrad. Auf den Bühnen zeigen Creatorinnen und Erotikdarstellerinnen freizügige Performances, bei denen mitunter kaum ein Körperteil bedeckt bleibt. Allerdings fällt auch auf, dass immer mehr weibliche Gäste selbstbewusst mit ihrer Sexualität und ihrem Körper umgehen. Und dafür müssen sie keineswegs beruflich in der Erotikbranche tätig sein.

Ein Beispiel ist Florence aus Frankreich. Die junge Frau arbeitet im Einzelhandel und trägt privat gerne Dessous oder auffällige Outfits. Auf der VENUS hat sie sich für ein schwarzes Lederkleid entschieden, das ihre Kurven betont. Dass sie damit Aufmerksamkeit erregt, überrascht kaum. „Ich wurde heute schon mehrmals von Männern angesprochen, die ein Foto von oder mit mir machen wollten. Es ist so witzig, weil ich wirklich so gar nichts mit der Erwachsenenbranche zu tun habe. Aber ich mache den Spaß dann auch gerne mit, solange die Herren diskret bleiben.“

Genau diese Diskretion ist ein wichtiger Punkt. Denn auch wenn auf der VENUS viel Haut gezeigt wird und sexuelle Offenheit zum Konzept gehört, bedeutet das keineswegs, dass alles erlaubt ist. Die persönlichen Grenzen der Besucherinnen, Besucher und Darstellenden müssen respektiert werden. Wer diese überschreitet, riskiert einen direkten Messeverweis. Bei aller Freizügigkeit gilt also weiterhin: Ohne Einverständnis läuft nichts.

Anne Wünsche lässt sich im pinken Sarg durch die Messe tragen

Natürlich wäre die VENUS nicht die VENUS, wenn nicht auch zahlreiche bekannte Gesichter der Erwachsenenunterhaltung für Aufmerksamkeit sorgen würden. Ein besonders spektakulärer Auftritt gelingt in diesem Jahr Anne Wünsche. Die ehemalige „Berlin – Tag & Nacht“-Darstellerin hat sich längst auch in der Erotikbranche einen Namen gemacht. Und für ihren diesjährigen Messeauftritt lässt sie sich etwas einfallen, das selbst zwischen all den freizügigen Shows heraussticht.

In einem weißen Hochzeitskleid lässt sie sich durch die Messehallen tragen. Allerdings nicht auf Händen, sondern in einem knallpinken Sarg. Vier Tänzer der Sixx Paxx übernehmen den ungewöhnlichen Transport. Der Sarg ist mit zahlreichen Hasskommentaren und Schlagzeilen beklebt, mit denen die Influencerin in der Vergangenheit konfrontiert wurde. Die Botschaft dahinter: Anne möchte ihre Selbstzweifel symbolisch zu Grabe tragen. Das Hochzeitskleid soll verdeutlichen, dass sie den öffentlichen Hass inzwischen angenommen und gewissermaßen zu ihrer Liebe gemacht hat. Dass die Inszenierung möglicherweise den nächsten Shitstorm auslöst, scheint sie wenig zu kümmern. „Ich bin die Shitstorm-Queen! Inzwischen ist der Shitstorm meine Brand – ich würde mich eher wundern, wenn es mal still um mich wäre“, erklärt sie in einer Pressemitteilung.

Günstig ist dieser Auftritt allerdings nicht. Nach eigenen Angaben investiert Anne Wünsche mehr als 60.000 Euro in ihre viertägige VENUS-Präsenz. Dafür gibt es neben einem besonders auffälligen Messestand auch eine knallpinke Limousine. Und möglicherweise dürfen sich ihre Fans künftig noch auf ganz andere Überraschungen freuen. Denn gegenüber topaktuell verrät die Influencerin: „Ich mache ja eigentlich nur alleine Content vor der Kamera. Mir macht das aber so viel Spaß, dass ich mir wirklich vorstellen kann, Akteure hinzuzuziehen.“ Ob das bereits eine Ankündigung für neue Projekte ist? Zumindest lässt die Aussage reichlich Raum für Spekulationen.

Shoki287 und Lullu Gun: Diese Frauen bringen die Messe zum Kochen

Shoki287 performt 2026 live auf der VENUS. Foto: Anna-Lena Kramer
Shoki287 performt 2026 live auf der VENUS. Foto: Anna-Lena Kramer

Ebenfalls für Aufsehen sorgt Rapperin Shoki287. Bereits im vergangenen Jahr stand die Musikerin, die auch auf OnlyFans aktiv ist, auf der VENUS-Bühne. Auch 2026 präsentiert sie sich wieder gewohnt provokant. Ihre Texte sind sexuell aufgeladen, direkt und nehmen gerne auch mal Männer aufs Korn. Bei ihrer Performance zeigt sie sich zudem ausgesprochen freizügig. Was ihre Fans sonst hinter einer Bezahlschranke zu sehen bekommen, gibt es auf der VENUS live.

Dass man allerdings nicht unbedingt zu den jüngsten Gesichtern der Branche gehören muss, um das Publikum zu begeistern, beweist Lullu Gun. Die ehemalige Pornodarstellerin gehört seit Jahren zu den bekannten Gesichtern der Messe und sorgt am Stand von VisitX mit ihren Lapdances regelmäßig für Begeisterung. Bemerkenswert ist dabei, dass sich längst nicht nur Männer als Freiwillige melden. Auch zahlreiche Frauen möchten eine ihrer Shows aus nächster Nähe erleben. Eine davon ist Brenda aus Dodendorf. „Lullu ist für mich ein echtes Vorbild. Ich schaue mir ihre Shows an, um mir ein paar Moves von ihr abzugucken. Sie ist so heiß und selbstbewusst, ich liebe das an Frauen, die das auch ausstrahlen.“ Ein Kompliment, das zeigt, dass die Faszination für selbstbewusste Erotik keineswegs ausschließlich männlich ist.

Zwischen Fetisch-Outfits und nackten Körpern: Hier darf jeder sein, wie er möchte

Besucher im Lackanzug auf der Erotikmesse VENUS, Berlin, 2025. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Daniel Lakomski)
Besucher im Lackanzug auf der Erotikmesse VENUS, Berlin, 2025. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Daniel Lakomski)

Wer zum ersten Mal die VENUS besucht, dürfte zunächst einen kleinen Kulturschock erleben. Denn beim Dresscode gibt es kaum Grenzen. Während manche Gäste ganz gewöhnlich in Jeans und T-Shirt durch die Hallen schlendern, tragen andere knappe Dessous, aufwendige Fetisch-Outfits oder Lederharness. Wieder andere verzichten gleich vollständig auf Kleidung. Was außerhalb der Messe vermutlich für reichlich irritierte Blicke sorgen würde, gehört hier zum ganz normalen Bild.

Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob jemand jung oder alt, schlank oder kurvig ist. Gerade das macht für viele Besucher den Reiz der VENUS aus. Sie können sich ausprobieren, ihre Vorlieben zeigen und sich in einem Umfeld bewegen, in dem sexuelle Offenheit nicht automatisch mit Verurteilung verbunden ist. Natürlich gelten auch hier Regeln. Und selbstverständlich ist nicht jede Fantasie automatisch etwas, das man ungefragt mit anderen ausleben darf. Doch innerhalb dieser Grenzen entsteht für viele Menschen ein Raum, in dem sie sich wohlfühlen und Seiten an sich entdecken können, die sie im Alltag vielleicht lieber verstecken.

Die VENUS ist vielfältig, aber längst nicht am Ziel

Eröffnung der 29. Erotikmesse VENUS, Messe Berlin, 22.10.2026. Foto: IMAGO / Eventfoto54
Eröffnung der 29. Erotikmesse VENUS, Messe Berlin, 22.10.2026. Foto: IMAGO / Eventfoto54

Nach einem Rundgang durch die Messehallen bleibt ein durchaus gemischter Eindruck. Auf der einen Seite stehen technische Innovationen, außergewöhnliche Produkte, selbstbewusste Besucherinnen und Besucher sowie eine Atmosphäre, in der ungewöhnliche Vorlieben ihren Platz finden. Auf der anderen Seite fällt auf, dass sich manches seit Jahren kaum verändert hat. Viele Bühnenprogramme setzen weiterhin auf dieselben Gesichter. Das Angebot richtet sich nach wie vor überwiegend an Männer. Und wer als Frau oder queerer Mensch nach einem speziell zugeschnittenen Programm sucht, muss stellenweise genauer hinsehen.

Die Bemühungen um Inklusion und Diversität sind erkennbar. Bis daraus eine wirklich gleichberechtigte Vielfalt im gesamten Messeangebot wird, scheint allerdings noch ein Stück Weg vor den Veranstaltern zu liegen. Trotzdem bleibt die VENUS für viele Menschen mehr als eine reine Erotikmesse. Sie ist ein Treffpunkt, ein Ort der Neugier und für manche sogar eine Art Safe Space, in dem sie sich ohne Angst vor schiefen Blicken zeigen können, wie sie sind.

2027 feiert die Messe ihren 30. Geburtstag. Vielleicht ist das der passende Anlass, nicht nur mit noch spektakuläreren Shows und neuen Sexspielzeugen zu überraschen, sondern auch das eigene Konzept ein wenig auf den Kopf zu stellen. Denn eines hat dieser Rundgang gezeigt: An nackten Tatsachen mangelt es der VENUS nicht. Ein bisschen frischer Wind würde ihr trotzdem guttun.

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