Empörung über Polizei-Tipp: So sollen sich Frauen wehren!

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Was tun, wenn ein Angreifer nicht von einer Frau ablässt? Eine Polizeibehörde gibt in ihren Präventionskursen einen Rat, der viele Menschen fassungslos macht. Seit Medien darüber berichten, wird heftig diskutiert.

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Der Hinweis ist nicht neu, er wird nach Angaben der Polizei schon seit Jahren in Seminaren vermittelt. Doch erst jetzt ist er einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Worum es genau geht, wie die Polizei ihren Tipp begründet und warum er so viel Kritik auslöst.

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Ein Ratschlag, über den ganz Deutschland diskutiert

Unangenehme Annäherung am Abend (Symbolbild), 04.09.2025. Foto: IMAGO / Rolf Poss
Unangenehme Annäherung am Abend (Symbolbild), 04.09.2025. Foto: IMAGO / Rolf Poss

Eine Polizeibehörde in Deutschland bringt Frauen in Kursen bei, wie sie sich im äußersten Notfall gegen einen sexuellen Übergriff wehren können. Einer der Tipps sorgt seit Anfang Oktober für Kopfschütteln. Eine Polizeisprecherin hat ihn gegenüber einer Zeitung bestätigt.

Im Netz und in Kommentarspalten reichen die Reaktionen von Spott bis Wut. Viele fragen sich, ob ein solcher Rat Frauen wirklich schützt. Die Polizei selbst betont dagegen, es handle sich um eine Möglichkeit unter mehreren.

Finger in den Hals: Das rät die Polizei

Eine Frau setzt sich gegen Belästigung zur Wehr (Symbolbild), 10.03.2026. Foto: IMAGO / Rolf Poss
Eine Frau setzt sich gegen Belästigung zur Wehr (Symbolbild), 10.03.2026. Foto: IMAGO / Rolf Poss

Konkret geht es um Folgendes: Wer bei einer versuchten Vergewaltigung keinen anderen Ausweg sieht, soll sich absichtlich übergeben. Die Teilnehmer der Kurse lernen dafür, mit einem Finger im Hals einen Würgereflex auszulösen. Der Ekel, so die Idee dahinter, soll den Täter abschrecken und der Frau einen Moment zur Flucht verschaffen.

Die Polizeisprecherin erklärte dazu:

> „Im Notfall, etwa einer versuchten Vergewaltigung, wehren Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.“

> – Polizeisprecherin gegenüber einer Regionalzeitung

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Und weiter: Auch das Sich-Erbrechen könne „eine wirksame Möglichkeit sein, ein Sexualdelikt abzuwehren“. Eine feste Vorgabe für alle Situationen sei das nicht, sondern eine Option unter mehreren. Ob die Methode zuverlässig wirkt, ist allerdings nicht belegt.

Was in den Kursen außerdem vermittelt wird

Training zur Selbstverteidigung für Frauen (Symbolbild). Foto: IMAGO / imageBROKER (Elizaveta Tomashevsk)
Training zur Selbstverteidigung für Frauen (Symbolbild). Foto: IMAGO / imageBROKER (Elizaveta Tomashevsk)

Der umstrittene Hinweis ist nur ein kleiner Teil eines größeren Programms. Die Seminare gibt es nach Angaben der Polizei bereits seit mehr als zehn Jahren. Sie richten sich an Unternehmen, Behörden und medizinische Einrichtungen. Teilnehmen können unter anderem Beschäftigte aus dem Nahverkehr, der Feuerwehr, aus Jobcentern und sozialen Diensten.

Auf dem Programm stehen laut Polizei unter anderem:

– Gefahren erkennen und vermeiden

– Deeskalation in angespannten Situationen

– Zivilcourage

– Präventionstipps für den Alltag

– Verhalten bei sexuellen Übergriffen

Die Teilnehmer können zudem eigene Erfahrungen einbringen. Die Sprecherin sagte, die Seminare leisteten einen Beitrag zur Kriminalprävention und sollten aus Sicht der Polizei „aktiv gefördert und wiederkehrend durchgeführt werden“.

Warum der Tipp so viel Kritik auslöst

Diskussion in sozialen Netzwerken auf einem Smartphone (Symbolbild). Bild: KI-generiert
Diskussion in sozialen Netzwerken auf einem Smartphone (Symbolbild). Bild: KI-generiert

Dass Ratschläge zum Schutz vor sexueller Gewalt hohe Wellen schlagen, ist nicht neu. Ein Vorwurf taucht in solchen Debatten immer wieder auf: Die Verantwortung werde auf die Opfer abgewälzt, statt die Täter in den Blick zu nehmen. Zwei frühere Fälle zeigen, wie schnell solche Tipps in die Kritik geraten:

| Jahr | Wer | Ratschlag | Folge |

|—|—|—|—|

| 2013 | Eine Universität in Colorado (USA) | Liste mit Tipps, u. a. sich übergeben, einnässen oder eine Krankheit vortäuschen | Nach Kritik von der Website entfernt, Hochschule entschuldigte sich |

| 2016 | Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach der Silvesternacht | Zu Fremden Abstand von mehr als einer Armlänge halten | Heftige Kritik und viel Spott im Netz |

| 2026 | Polizei-Präventionskurse | Würgereflex auslösen, um Täter abzuschrecken | Empörung nach Medienberichten |

Die Polizei hält dagegen, dass es in ihren Kursen um ein ganzes Bündel an Strategien geht. Ziel sei, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben und eine Fluchtmöglichkeit zu schaffen.

Hier sorgt der Polizei-Tipp für Wirbel

Polizeifahrzeug in Bremen, 18.04.2026. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Heiko Blatterspiel)
Polizeifahrzeug in Bremen, 18.04.2026. Foto: IMAGO / Jan Huebner (Heiko Blatterspiel)

Hinter dem umstrittenen Ratschlag steht die Polizei Bremen. Die Seminare werden von ihrer Dienststelle Zentrale Polizeiliche Prävention angeboten. Bestätigt hat den Tipp Franka Haedke, Sprecherin der Bremer Polizei, gegenüber der „Kreiszeitung“. Später griffen weitere Medien das Thema auf, darunter die „Bild“.

Die Debatte fällt in eine Zeit, in der sexuelle Gewalt im kleinsten Bundesland auch politisch ein Thema ist. Das zeigt eine Antwort des Bremer Senats vom 17. Februar 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis Deutschland:

| Kennzahl | Wert |

|—|—|

| Erfasste Vergewaltigungen und besonders schwere sexuelle Übergriffe im Land Bremen 2019 bis 2024 | 987 Fälle |

| Fälle 2015 (laut Anfrage) | 108 |

| Fälle 2024 (laut Anfrage) | 191 |

| Tatverdächtige in der Stadt Bremen 2024 | 112 |

Hier finden Betroffene Hilfe

Orangefarbene Bank mit Hinweisen auf Hilfsangebote gegen Gewalt an Frauen, 22.03.2026. Foto: IMAGO / Snowfield Photography (D. Kerlekin)
Orangefarbene Bank mit Hinweisen auf Hilfsangebote gegen Gewalt an Frauen, 22.03.2026. Foto: IMAGO / Snowfield Photography (D. Kerlekin)

Unabhängig davon, wie man den Tipp der Bremer Polizei bewertet: Wer akut bedroht wird, sollte sofort den Notruf 110 wählen. Für Betroffene von Gewalt gibt es zudem bundesweite Anlaufstellen:

– Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016 – kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar, auch in vielen Fremdsprachen

– Opfer-Telefon des Weißen Rings: 116 006 – kostenlose Beratung für Kriminalitätsopfer

– Notruf: 110 – in akuten Gefahrensituationen

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