Die Nachricht kam mitten am Tag: Ein großer Arbeitgeber ist zahlungsunfähig. Rund 1.200 Beschäftigte bangen um ihre Zukunft – und viele Familien fragen sich, was das jetzt für sie bedeutet. Was bisher bekannt ist und wie es weitergehen soll.
Die Belegschaft erfuhr es am Dienstagmittag

Für viele Beschäftigte begann die Woche mit einer schlechten Nachricht. Am Dienstagmittag, 3. November, wurden sie über einen schweren Schritt ihres Arbeitgebers informiert. Betroffen ist ein Krankenhaus – und damit nicht nur die Belegschaft, sondern auch viele Patienten.
Die Klinik hat beim zuständigen Amtsgericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das bestätigte der Träger des Hauses. Rund 1.200 Menschen arbeiten dort. Wie viele Stellen am Ende erhalten bleiben, ist noch offen.
Wichtig vorab: Der Betrieb soll nach Angaben des Trägers vorerst ohne Einschränkungen weiterlaufen.
Die Gründe: Die Kosten laufen davon

Die wirtschaftlichen Probleme bestehen schon länger. Laut einer Mitteilung des Hauses sind vor allem die gestiegenen Kosten für Energie, Medizinprodukte und Personal ein Grund. Dazu kommen nach Angaben der Klinik Verluste durch politische Entscheidungen auf Bundesebene.
Konkret nennt die Geschäftsführung das sogenannte GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Allein dadurch komme es am Standort laut Geschäftsführer Tobias Holzschneider zu einem „zusätzlichen Minus in Millionenhöhe“ (zitiert nach Antenne AC). Das ist eine eigene Berechnung des Krankenhauses.
Seit der heutige Mehrheitseigner das Haus im Jahr 2021 übernommen hat, schrieb die Klinik laut WDR zunehmend rote Zahlen. Die Verluste summierten sich demnach bis einschließlich 2024 auf knapp elf Millionen Euro. Das Ergebnis für 2025 ist darin noch nicht enthalten.
Was bedeutet das für Patienten?

Die wichtigste Frage für Patienten und werdende Eltern: Muss man sich Sorgen um geplante Behandlungen machen? Nach Angaben des Trägers nicht – zumindest vorerst. Das ist der aktuelle Stand:
- Die Patientenversorgung und der Klinikalltag sollen uneingeschränkt weiterlaufen.
- Die Geschäftsführung bleibt im Amt und führt das Verfahren selbst.
- Lieferanten sollen laut Träger pünktlich bezahlt werden.
- Ziel des Verfahrens ist nach Angaben der Klinik der Erhalt des Standorts.
- Im Zuge der Sanierung sollen aber alle Leistungsbereiche und der Personalaufwand überprüft werden. Welche Abteilungen das betrifft, ist noch nicht bekannt.
Das Haus hat sechs Fachkliniken und eine Radiologie. Dazu gehören laut Klinik die größte Geburtsklinik der Region und eine direkt angeschlossene Kinderklinik. Gerade um die Geburtshilfe machen sich deshalb viele Menschen Gedanken.
Es geht um das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg

Betroffen ist das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg in der Städteregion Aachen (Nordrhein-Westfalen). Mehrheitseigner ist seit 2021 die Alexianer GmbH. Den Antrag hat das Krankenhaus beim Amtsgericht Aachen gestellt.
Das Gericht hat laut dem Fachportal medconweb den Rechtsanwalt Dr. Mark Boddenberg (Kanzlei GÖRG) zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Die Geschäftsführung wird von Rechtsanwalt Till Forster (White & Case) als Generalhandlungsbevollmächtigtem unterstützt.
Nur der Standort Stolberg ist betroffen. Andere Häuser der Alexianer-Gruppe sind laut Träger nicht Teil des Verfahrens. Der Hauptgeschäftsführer der Gruppe sieht in dem Schritt auch eine Chance:
„Die Sanierung bietet die Möglichkeit, die wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen grundlegend zu betrachten.“
Dr. Christian von Klitzing, Hauptgeschäftsführer der Alexianer Gruppe (laut Antenne AC)
Eigenverwaltung: Das gilt jetzt für Jobs und Löhne

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und saniert das Unternehmen selbst – unter Aufsicht eines Sachwalters. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
| Thema | Stand laut Berichten |
|---|---|
| Beschäftigte | rund 1.200 |
| Löhne und Gehälter | Die nächsten drei Monatsgehälter zahlt die Bundesagentur für Arbeit (Insolvenzgeld). Ab Februar 2027 zahlt das Krankenhaus laut t-online wieder selbst. |
| Patientenversorgung | läuft laut Träger uneingeschränkt weiter |
| Sanierung | soll spätestens 2029 abgeschlossen sein |
| Stellenabbau | laut WDR möglich; ein pauschaler Abbau ist laut Klinikleitung aber nicht geplant |
| Andere Alexianer-Standorte | nicht betroffen |
Die Angaben zum Stellenabbau fallen also unterschiedlich aus. Laut Geschäftsführer Holzschneider will man sich jede Abteilung einzeln anschauen. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, soll nach Möglichkeit in anderen Abteilungen oder Krankenhäusern unterkommen.
Politiker aus der Region schlagen Alarm

Die Insolvenz sorgt auch in der Politik für Unruhe. Der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Scheen-Pauls fordert ein glaubwürdiges Sanierungskonzept mit langfristiger Perspektive:
„Die Insolvenz in Eigenverwaltung darf keine Schließung auf Raten sein.“
Daniel Scheen-Pauls, CDU-Landtagsabgeordneter (laut Antenne AC)
Auch die Bundestagsabgeordneten Catarina dos Santos-Wintz (CDU) und Claudia Moll (SPD) zeigen sich laut Antenne AC besorgt – vor allem mit Blick auf die Geburtshilfe. Sie wollen das Verfahren eng begleiten.
Wie es mit den einzelnen Abteilungen weitergeht, soll sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Träger hat angekündigt, Beschäftigte offen über den Verlauf zu informieren.
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