Milliarden-Minus: Deutscher Autoriese rutscht tief in die roten Zahlen!

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Milliarden-Abschreibungen, sinkende Umsätze, gekappte Prognose: Einer der größten Arbeitgeber Deutschlands hat ein desaströses Quartal hinter sich. Der Finanzchef schlägt Alarm – und für Zehntausende Beschäftigte geht das Bangen weiter.

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Am Donnerstagmorgen legte der Konzern seine Zahlen für die Monate Juli bis September vor. Unter dem Strich steht ein Verlust in Milliardenhöhe. Was hinter dem Einbruch steckt, welche Rolle eine prominente Tochterfirma spielt und was jetzt auf die Belegschaft zukommt.

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Schwarzer Donnerstag für die deutsche Autoindustrie

Neuwagen auf der Lagerfläche eines Autoterminals im Binnenhafen, 18.05.2026. Foto: IMAGO / Jochen Tack
Neuwagen auf der Lagerfläche eines Autoterminals im Binnenhafen, 18.05.2026. Foto: IMAGO / Jochen Tack

Die deutsche Autobranche steckt seit Monaten in der Krise – nun hat ein Branchenriese besonders schlechte Nachrichten verkündet. Das dritte Quartal endete für den Konzern tief im Minus, die Erwartungen für das Gesamtjahr sind bereits zusammengestrichen.

Gleichzeitig werden weniger Autos verkauft: Weltweit lieferte das Unternehmen zwischen Juli und September 1,89 Millionen Fahrzeuge aus – rund 14,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders hart traf es das China-Geschäft. Dort gingen die Auslieferungen um 38,5 Prozent auf knapp 406.000 Fahrzeuge zurück.

Es ist Volkswagen: Die Zahlen im Überblick

Dunkle Wolken über einem Volkswagen-Standort in Hamburg-Winterhude, 02.09.2026. Foto: IMAGO / Hanno Bode
Dunkle Wolken über einem Volkswagen-Standort in Hamburg-Winterhude, 02.09.2026. Foto: IMAGO / Hanno Bode

Der Konzern, um den es geht, ist Volkswagen. Der Wolfsburger Autobauer verbuchte im dritten Quartal einen Verlust nach Steuern von rund 5,82 Milliarden Euro. Bereits im Vorjahresquartal hatte VW rote Zahlen geschrieben, damals lag der Fehlbetrag bei gut 1,07 Milliarden Euro.

| Kennzahl | 3. Quartal 2026 | Veränderung zum Vorjahr |

|—|—|—|

| Ergebnis nach Steuern | minus 5,82 Mrd. Euro | Vorjahresquartal: minus 1,07 Mrd. Euro |

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| Konzernumsatz | rund 75,3 Mrd. Euro | minus 6,3 Prozent |

| Auslieferungen weltweit | 1,89 Mio. Fahrzeuge | minus 14,3 Prozent |

| Auslieferungen China | knapp 406.000 Fahrzeuge | minus 38,5 Prozent |

| Sondereffekte | 7,8 Mrd. Euro | – |

Auch nach neun Monaten sieht die Bilanz düster aus: Von Januar bis September steht ein Minus von 2,72 Milliarden Euro nach Steuern. Ein Jahr zuvor hatte VW in diesem Zeitraum noch einen Überschuss von gut 3,4 Milliarden Euro erzielt.

Porsche-Abschreibung reißt das größte Loch

Porscheplatz mit der Porsche-Hauptverwaltung in Stuttgart-Zuffenhausen, 12.03.2026. Foto: IMAGO / Arnulf Hettrich
Porscheplatz mit der Porsche-Hauptverwaltung in Stuttgart-Zuffenhausen, 12.03.2026. Foto: IMAGO / Arnulf Hettrich

Hauptgrund für den Verlust sind Sondereffekte von insgesamt 7,8 Milliarden Euro. Der mit Abstand größte Posten betrifft die Sportwagentochter Porsche: VW schreibt auf deren Firmenwert rund 6,4 Milliarden Euro ab, weil der Konzern die künftige Entwicklung der Tochter schlechter einschätzt als bisher.

Diese Belastungen drückten auf das Ergebnis:

– Porsche: Abschreibung auf den Firmenwert von rund 6,4 Milliarden Euro

– China: Wertberichtigung bei China-Gesellschaften von rund 1 Milliarde Euro

– Werk Osnabrück: Belastung durch den geplanten Verkauf an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen

– Operatives Geschäft: schwacher China-Markt, Preis- und Wettbewerbsdruck, US-Zölle und ein höherer Anteil weniger profitabler E-Autos

Wichtig: Die Abschreibungen bei Porsche und in China sind laut VW nicht zahlungswirksam – es fließt also kein Geld ab. Ohne alle Sondereffekte hätte VW nach neun Monaten einen operativen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro erzielt. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Sonderkosten von rund 10 Milliarden Euro, davon sind 8,7 Milliarden bereits verbucht.

Finanzchef: „Wir dürfen keine Zeit verlieren“

VW-Finanzvorstand Arno Antlitz bei der Jahrespressekonferenz der Volkswagen AG in Wolfsburg, 10.03.2026. Foto: IMAGO / Sven Simon (Malte Ossowski)
VW-Finanzvorstand Arno Antlitz bei der Jahrespressekonferenz der Volkswagen AG in Wolfsburg, 10.03.2026. Foto: IMAGO / Sven Simon (Malte Ossowski)

Finanzvorstand Arno Antlitz fand deutliche Worte. Die um Sonderbelastungen bereinigte operative Umsatzrendite lag nach neun Monaten bei 3,8 Prozent – zu wenig aus Sicht des Managers.

> „Das Neunmonats-Ergebnis zeigt deutlich: Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln.“

> – Arno Antlitz, Finanzvorstand der Volkswagen AG

Die bereinigte Rendite sei „zu wenig, um weiter kraftvoll in unsere Zukunft zu investieren“, sagte Antlitz laut finanzen.net. Als ein Problem nannte er den wachsenden E-Auto-Anteil, „weil wir mit Elektroautos heute noch weniger verdienen als mit Verbrennern“. Auch in China sieht es düster aus: Für 2026 erwartet Antlitz dort vor Abschreibungen nur ein Ergebnis um die Gewinnschwelle.

Prognose gekappt, Aktie unter Druck

VW-Konzernchef Oliver Blume bei einer Veranstaltung in Berlin, 07.10.2026. Foto: IMAGO / Mike Schmidt
VW-Konzernchef Oliver Blume bei einer Veranstaltung in Berlin, 07.10.2026. Foto: IMAGO / Mike Schmidt

Ganz überraschend kommen die tiefroten Zahlen nicht. Konzernchef Oliver Blume hatte die Jahresprognose bereits Mitte September deutlich gesenkt. Für 2026 erwartet VW nun:

| Prognose 2026 | Neu | Zum Vergleich |

|—|—|—|

| Operative Umsatzrendite | höchstens 1 Prozent | zuvor erwartet: 4,0 bis 5,5 Prozent; 2025: 2,8 Prozent |

| Umsatz | rund 315 Mrd. Euro | 2025: 321,9 Mrd. Euro |

An der Börse fiel die Reaktion verhalten aus, weil viele Anleger mit schwachen Zahlen gerechnet hatten. Laut dpa-AFX lag die VW-Aktie am Donnerstagvormittag mit 0,3 Prozent im Minus bei 68,82 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund ein Drittel an Wert verloren. Jefferies-Analyst Philippe Houchois sah die Zahlen im Wesentlichen im Rahmen der Erwartungen.

Was das für die Beschäftigten bedeutet

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg, 17.09.2026. Foto: IMAGO / photothek (Juliane Sonntag/BMF)
VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg, 17.09.2026. Foto: IMAGO / photothek (Juliane Sonntag/BMF)

Für die Belegschaft sind die Zahlen ein weiteres Warnsignal. Ende September beschäftigte der Konzern weltweit 614.500 Menschen, Ende 2025 waren es noch rund 628.900. Bis Ende des Jahrzehnts ist der Abbau von 50.000 Stellen bereits vereinbart. Mit dem „Zukunftsplan 2030“, der Einsparungen von 31 Milliarden Euro vorsieht, stehen rechnerisch weitere 50.000 Stellen zur Disposition. Blume nannte diese Zahl laut „Personalwirtschaft“ eine „theoretische Rechengröße“.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo hält dagegen. Bereits im August hatte sie erklärt: „Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen definitiv aus.“ Zuletzt warf sie dem Vorstand vor, die bis 2030 vereinbarte Beschäftigungssicherung mit dem Vorschlag einer Transfergesellschaft „durch die Hintertür“ aushebeln zu wollen. Auch die IG Metall lehnt diese Pläne ab. Bis zum Jahresende gilt noch die Friedenspflicht – Streiks gelten daher eher 2027 als möglich.

Wie es jetzt weitergeht

VW-Logo am Tor 2 des Volkswagen-Werks in Osnabrück, 11.07.2026. Foto: IMAGO / Swaantje Hehmann
VW-Logo am Tor 2 des Volkswagen-Werks in Osnabrück, 11.07.2026. Foto: IMAGO / Swaantje Hehmann

Im November beginnen die Gespräche mit den Arbeitnehmern der Kernmarke VW. Die Produktionskapazität soll weiter sinken. Für mehrere Konzernwerke – genannt werden Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm – sieht VW für die Jahre 2031 bis 2034 laut Bericht keine wettbewerbsfähige Auslastung. Schließungen sind nach Unternehmensangaben jedoch nicht beschlossen.

Das Werk in Osnabrück soll an Aurelius und das Land Niedersachsen gehen, die den Standort auf Rüstungsproduktion umstellen wollen. Zusätzliche Kosten für Vorruhestandsregelungen sind in den bisherigen Sonderkosten noch nicht enthalten. Für den Autobauer dürfte es also ein unruhiger Winter werden.

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