Millionen Autofahrer in Deutschland müssen sich auf eine teure Entwicklung einstellen. Neue Zahlen der Versicherungswirtschaft zeigen, dass die Kosten in einem Bereich seit Jahren deutlich schneller steigen als die allgemeinen Preise. Was dahintersteckt, wen es besonders trifft und wie sich trotzdem Geld sparen lässt.
Böse Überraschung bei der Abholung

Ob Inspektion, Bremsen oder Blechschaden: Wer sein Auto zuletzt aus der Werkstatt geholt hat, dürfte bei der Rechnung geschluckt haben. Reparaturen am Auto werden immer teurer – und zwar deutlich stärker als das Leben insgesamt.
Das zeigt eine neue Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die am 29. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Die Folgen spüren nicht nur Autofahrer, die selbst zahlen, sondern auch die Kfz-Versicherer – und damit am Ende alle Versicherten.
Die Zahlen: So stark sind die Preise gestiegen

Laut GDV haben die Werkstätten ihre Stundensätze allein im Jahr 2025 im Durchschnitt um 7,5 Prozent erhöht – mehr als dreimal so stark wie die allgemeinen Verbraucherpreise. Ersatzteile verteuerten sich im selben Jahr um 5,6 Prozent.
Noch deutlicher wird der Trend im längeren Vergleich:
| Entwicklung 2017 bis 2025 | Anstieg |
|—|—|
| Stundensätze der Werkstätten | 62 Prozent |
| Ersatzteilpreise | rund 60 Prozent |
| Verbraucherpreise allgemein | 26 Prozent |
Zur Einordnung: Bereits für das Jahr 2024 hatte der GDV auf Basis von Daten der Sachverständigenorganisation Dekra gemeldet, dass Arbeiten an Mechanik, Elektrik oder Karosserie im Schnitt 202 Euro pro Stunde kosteten, Lackierarbeiten sogar 220 Euro. Damit lag der Stundensatz erstmals über der Marke von 200 Euro.
Versicherer schlagen Alarm

Die höheren Werkstattpreise schlagen direkt auf die Schadenkosten durch. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen erklärt:
> „Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Versicherer inzwischen rund 4.600 Euro – etwa 70 Prozent mehr als 2017.“
> – Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV
Für das laufende Jahr erwartet der Verband, dass die Leistungen der Kfz-Versicherer um mehr als 10 Prozent auf rund 35 Milliarden Euro steigen. Die Beitragseinnahmen sollen dagegen nur um knapp 7 Prozent auf 41 Milliarden Euro zulegen. Die Schaden-Kosten-Quote liegt damit laut Prognose bei 99 Prozent. Asmussen bringt es auf den Punkt:
> „Von jedem eingenommenen Euro werden die Kfz-Versicherer 2026 voraussichtlich 99 Cent für Schäden und Kosten benötigen.“
> – Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV
Warum Ersatzteile so teuer sind

Ein wichtiger Kostentreiber sind die Ersatzteile. Wie t-online unter Berufung auf einen Bericht des „Spiegel“ schreibt, haben sich einzelne Teile wie hintere Seitenwände, vordere Türen oder Heckklappen fast im Preis verdoppelt. Hinzu kommt: Oft wird laut t-online ein ganzes Bauteil ausgetauscht, statt nur ein kleines Teil zu ersetzen.
Ein Grund ist der sogenannte Designschutz der Hersteller. Sichtbare Karosserieteile, die unter diesen Schutz fallen, dürfen nur vom Autohersteller selbst angeboten werden – günstigere Konkurrenzprodukte sind dann nicht erlaubt.
Die EU hat dazu eine Reform auf den Weg gebracht, die sogenannte Reparaturklausel. Sie betrifft laut Deutscher Handwerks Zeitung Ersatzteile, die das ursprüngliche Aussehen wiederherstellen, etwa:
– Autotüren
– Scheinwerfer
– Außenspiegel
Für die Reparaturklausel ist eine Übergangsfrist von acht Jahren vorgesehen. In deutsches Recht ist die EU-Vorgabe laut t-online noch nicht umgesetzt.
E-Autos besonders teuer – und die Beiträge?

Besonders tief in die Tasche greifen müssen Halter von Elektroautos. Nach Angaben des GDV lagen die Stundensätze für Arbeiten an E-Autos 2025 im Schnitt rund 15 Prozent über denen für Verbrenner.
Bei den Versicherungsbeiträgen gibt es dagegen eine leichte Entspannung. Nach Daten des Vergleichsportals Verivox, über die t-online berichtet, liegen die Prämien 2026 im Schnitt nur rund 2 Prozent über dem Vorjahr. Verivox-Geschäftsführer Aljoscha Ziller sieht demnach das Ende der massiven Preissteigerungen und eine Rückkehr des Wettbewerbs. Als Grund nennt er das schadenarme Jahr 2025 mit wenigen Stürmen. Für eine dauerhafte Trendwende sei es aber noch zu früh.
So sparen Autofahrer trotzdem bei der Werkstatt

Ganz ausgeliefert sind Autofahrer den steigenden Preisen nicht. Experten empfehlen laut t-online und ADAC:
– Freie Werkstatt wählen: Unabhängige Betriebe sind in der Regel günstiger als Markenwerkstätten.
– Keine Angst um die Garantie: Die Herstellergarantie bleibt erhalten, wenn eine freie Werkstatt nach Herstellervorgaben wartet. Bei Mängeln kommt es darauf an, wer den Fehler verursacht hat – nicht, wo die Wartung stattfand.
– Nach Teilen aus dem freien Markt fragen: Auch Markenwerkstätten können Teile von Zulieferern einbauen. Diese sind laut t-online nicht schlechter, aber oft deutlich günstiger.
– Aufbereitete Teile nutzen: Bei aufbereiteten Aggregaten wie Motor oder Getriebe sind Ersparnisse von bis zu 70 Prozent möglich, bei Bremsteilen rund ein Drittel, bei Karosserieteilen oder Scheinwerfern bis zu 50 Prozent – ohne Abstriche bei der Sicherheit.
Ein Kostenvoranschlag vor größeren Reparaturen und der Vergleich mehrerer Angebote helfen zusätzlich, böse Überraschungen bei der Abholung zu vermeiden.
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