Schulden-Alarm: Was jetzt auf deutsche Bürger zukommt!

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Neue Zahlen aus Wiesbaden zeigen, wie dramatisch die Finanzlage vor Ort geworden ist: Der Schuldenberg wächst deutlich schneller als im Jahr zuvor. Rein rechnerisch steht jeder Einwohner Deutschlands mit einem vierstelligen Betrag in der Kreide – und das könnte im Alltag spürbar werden.

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Das Statistische Bundesamt hat am Donnerstag seine neue Schuldenbilanz vorgelegt. Kommunalverbände schlagen schon seit Monaten Alarm. Welche Summen dahinterstecken, wo die Lage besonders ernst ist und womit Bürger rechnen müssen.

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Neue Statistik schlägt Alarm

Schüler vor der Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler in Berlin, 07.10.2026. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Schüler vor der Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler in Berlin, 07.10.2026. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Es geht um die Finanzen jener Ebene, die den Alltag der Menschen am direktesten prägt: Schulen, Straßen, Kitas, Bürgerämter. Die neuen Zahlen der Statistiker zeigen, dass das Geld dafür immer häufiger auf Pump finanziert wird.

Konkret geht es um die Städte, Gemeinden und Landkreise. Ihre Schulden stiegen zum Jahresende 2025 um 9,9 Prozent auf 378,9 Milliarden Euro. Das entspricht 4.907 Euro pro Kopf. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte der Anstieg noch bei 6,3 Prozent gelegen.

Was hinter dem Schuldenberg steckt

Leere Geldkassette auf einem Schreibtisch in einem Amtszimmer (Symbolbild). Bild: KI-generiert
Leere Geldkassette auf einem Schreibtisch in einem Amtszimmer (Symbolbild). Bild: KI-generiert

Die Statistiker erfassen die sogenannten integrierten kommunalen Schulden. Dazu zählen nicht nur die Kernhaushalte der Kommunen, sondern auch ihre Extrahaushalte sowie Schulden von öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, an denen die Kommunen beteiligt sind.

So entwickelten sich die einzelnen Bereiche 2025:

| Bereich | Veränderung 2025 |

|—|—|

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| Kernhaushalte | plus 15,5 Prozent |

| Extrahaushalte | plus 14,7 Prozent |

| Fonds, Einrichtungen und Unternehmen | plus 4,5 Prozent |

| Integrierte kommunale Schulden gesamt | plus 9,9 Prozent |

Der Anstieg geht laut Bundesamt wie schon im Vorjahr vor allem auf die Kern- und Extrahaushalte zurück. Dort lief 2025 das zweite Jahr in Folge ein Rekorddefizit auf – die Kommunen gaben also deutlich mehr aus, als sie einnahmen.

Die Kosten laufen davon

Hinweisschilder kommunaler Ämter, darunter das Sozialamt, an einer Behördentür, 16.03.2026. Foto: IMAGO / imageBROKER (street news)
Hinweisschilder kommunaler Ämter, darunter das Sozialamt, an einer Behördentür, 16.03.2026. Foto: IMAGO / imageBROKER (street news)

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Bereits Anfang Oktober hatte das Statistische Bundesamt gemeldet, dass die Kern- und Extrahaushalte der Kommunen (ohne Stadtstaaten) im ersten Halbjahr 2026 erneut ein Defizit von 20,1 Milliarden Euro verbuchten – so viel wie im Rekord-Vorjahreszeitraum.

Die wichtigsten Kostentreiber im ersten Halbjahr 2026:

– Personalausgaben: 54,7 Milliarden Euro (plus 5,2 Prozent)

– Sozialausgaben: 46,3 Milliarden Euro (plus 3,9 Prozent)

– Laufender Sachaufwand: 49,5 Milliarden Euro (plus 4,0 Prozent)

– Zinsausgaben: 2,4 Milliarden Euro (plus 13,1 Prozent)

Gleichzeitig gingen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer um 2,0 Prozent zurück. Gespart wird offenbar dort, wo es langfristig wehtut: Die Sachinvestitionen sanken um 4,5 Prozent, die Ausgaben für Baumaßnahmen um 2,4 Prozent.

So unterschiedlich ist die Lage in den Ländern

Euro-Geldscheine (Symbolbild), 30.09.2026. Foto: IMAGO / Wolfilser (Wolfgang Filser)
Euro-Geldscheine (Symbolbild), 30.09.2026. Foto: IMAGO / Wolfilser (Wolfgang Filser)

Gestiegen sind die kommunalen Schulden 2025 in allen Bundesländern – allerdings unterschiedlich stark. Pro Kopf am höchsten verschuldet sind die Kommunen in Hessen, am niedrigsten in Brandenburg.

| Bundesland | Kommunale Schulden pro Kopf |

|—|—|

| Hessen | 6.763 Euro |

| Saarland | 6.408 Euro |

| Bundesdurchschnitt | 4.907 Euro |

| Thüringen | 3.692 Euro |

| Sachsen | 3.338 Euro |

| Brandenburg | 2.733 Euro |

Am stärksten wuchs der Schuldenberg in Niedersachsen (plus 13,3 Prozent) und Baden-Württemberg (plus 13,1 Prozent). Den geringsten Zuwachs gab es im Saarland (plus 2,3 Prozent) und in Thüringen (plus 2,9 Prozent).

Städtetag: „Die Stimmung ist explosiv“

Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) bei den Beratungen des Deutschen Städtetages in Kassel, 23.09.2026. Foto: IMAGO / Hartenfelser (Peter Hartenfelser)
Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) bei den Beratungen des Deutschen Städtetages in Kassel, 23.09.2026. Foto: IMAGO / Hartenfelser (Peter Hartenfelser)

Die kommunalen Spitzenverbände warnen seit Langem vor dieser Entwicklung. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), fand im August drastische Worte:

> „Die Stimmung in den Rathäusern der Republik ist explosiv.“

> – Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetages

Im September legte der Städtetag nach und forderte vom Bund eine Soforthilfe von 30 Milliarden Euro. „Fast ist man müde, immer wieder das Thema Finanzen anzusprechen, aber wir müssen es tun, weil die Not sehr groß ist“, sagte Jung laut dpa. Wie ernst die Lage ist, zeigt eine Umfrage in Nordrhein-Westfalen: Von 396 Städten und Gemeinden können dort nur sieben ihre laufenden Ausgaben 2026 aus eigenen Einnahmen decken.

Was das für die Bürger bedeutet

Geldscheine und ein Steuerformular mit dem Aufdruck Grundsteuer (Symbolbild, Fotomontage), 25.07.2026. Foto: IMAGO / Wolfilser (Wolfgang Filser)
Geldscheine und ein Steuerformular mit dem Aufdruck Grundsteuer (Symbolbild, Fotomontage), 25.07.2026. Foto: IMAGO / Wolfilser (Wolfgang Filser)

Die leeren Kassen bleiben für die Menschen vor Ort nicht folgenlos. Laut Städtetagspräsident Jung zeigt sich die Finanznot bereits heute im Alltag:

– Schulen und Sportplätze werden nicht saniert

– Die Wartezeiten in den Bürgerämtern werden länger

– Viele freiwillige Leistungen der Städte werden gestrichen

– Vereine werden nicht mehr gefördert

Hinzu kommt der Griff in die Taschen der Bürger. Die Einnahmen aus Verwaltungs- und Benutzungsgebühren stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 5,7 Prozent. Bei der Grundsteuer haben etwa in Niedersachsen 147 von 941 Kommunen ihren Hebesatz für 2026 angehoben. Der Bund der Steuerzahler rechnet für 2027 mit deutlich mehr Erhöhungen – unter anderem wegen der angespannten Kommunalfinanzen und steigender Sozialausgaben.

Altschulden: Was der Bund unternimmt

Das Detlev-Rohwedder-Haus, Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin, 30.01.2026. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Das Detlev-Rohwedder-Haus, Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin, 30.01.2026. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Eine erste Entlastung hat der Bundestag im Juli beschlossen. Das Länder- und Kommunalentlastungsgesetz sieht bis einschließlich 2029 Hilfen von insgesamt rund 4 Milliarden Euro vor. Für den Abbau kommunaler Kassenkredite in finanzschwachen Flächenländern stellt der Bund 250 Millionen Euro pro Jahr bereit. Nordrhein-Westfalen erhält davon rund 164 Millionen Euro jährlich.

Kritikern reicht das bei Weitem nicht. Der Bundesrat bemängelte, der Entwurf greife angesichts der kommunalen Verschuldung zu kurz, und forderte „einen angemesseneren, wirksamen Beitrag zum Abbau kommunaler Altschulden“. Ob Bund und Länder nachlegen, dürfte sich in den kommenden Haushaltsberatungen zeigen.

Umfrage

Wer sollte die Städte und Gemeinden aus der Schuldenfalle holen?

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