Bei einer wichtigen Prüfung für Zuwanderer wird offenbar in großem Stil getrickst. Jetzt reagiert Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit einer neuen Verordnung – und nimmt eine Lücke ins Visier, durch die viele Prüflinge bisher trotzdem bestanden haben.
Laut einem Bericht der Bild-Zeitung liegt dem Blatt eine neue Verordnung des Bundesinnenministeriums vor. Darin räumt das Ministerium offen ein, dass es zuletzt immer wieder Probleme gab. Was genau passiert ist und wie der Trick funktioniert hat, lesen Sie auf den nächsten Seiten.
Innenminister reagiert auf Betrugsversuche

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) verschärft die Deutsch-Tests für Zuwanderer. Hintergrund ist eine wachsende Zahl von Betrugsfällen bei den Prüfungen, die Teilnehmer am Ende ihres Integrationskurses ablegen.
Das geht aus einer neuen Verordnung des Innenministeriums hervor, über die die Bild-Zeitung berichtet. Darin heißt es, es sei in letzter Zeit „vermehrt zu Betrugsversuchen“ bei den Deutsch-Tests gekommen.
So lief der Betrug ab

Nach Darstellung des Ministeriums haben Teilnehmende der Integrationskurse die schriftlichen Testaufgaben samt Lösungen „über das Internet illegal erworben“. Die Antworten trugen sie dann im Prüfungsteil „Hören und Lesen“ ein.
Dieser Teil eignet sich dafür besonders: Hier müssen 45 Aufgaben gelöst werden, indem die richtigen Antworten markiert werden. Wer die Lösungen vorher kennt, muss also nur noch ankreuzen.
> „Vermehrt zu Betrugsversuchen“ sei es zuletzt gekommen – so steht es laut Bild in der neuen Verordnung des Bundesinnenministeriums.
Die Lücke beim Schreiben

Ein zweiter Prüfungsteil dreht sich ums Schreiben. In der Regel müssen die Prüflinge dort eine Kurzmitteilung verfassen. Laut Verordnung tritt es jedoch „häufig auf, dass dieser Teil vollständig leer gelassen wird“.
Das Problem: Die Prüfung galt trotzdem als bestanden – wegen des guten Abschneidens im ersten Teil. Voraussetzung war nur, dass die Teilnehmenden auch im mündlichen Teil das geforderte Niveau B1 erreichten. Genau gegen diesen Betrug richtet sich die Verschärfung.
Das müssen Prüflinge können

Geprüft werden vier Fertigkeiten, jeweils anhand von Alltagssituationen:
| Prüfungsteil | Was verlangt wird |
|—|—|
| Hören | Gesprochene Alltagstexte verstehen |
| Lesen | Texte verstehen, etwa Lücken in einem Brief füllen |
| Schreiben | Eine Kurzmitteilung verfassen, 30 Minuten Zeit |
| Sprechen | Mündliche Prüfung, gefordert ist Niveau B1 |
Ein Beispiel aus einem offiziellen Übungstest zum Lesen: In einem Beschwerdebrief eines Hotelgastes fehlen Wörter. Ein Satz lautet: „Wir haben Ihr Hotel ausgesucht, […] die Beschreibung auf Ihrer Website sehr gut klingt.“ Zur Auswahl stehen „dass“, „denn“ und „weil“ – richtig ist „weil“.
Beim Schreiben wählen die Teilnehmenden eine von zwei Aufgaben. In einem Übungsbeispiel schließen die Fenster der Wohnung nicht richtig, die Wohnung ist kalt, ein Anruf beim Vermieter hat nichts gebracht. Im Brief an ihn müssen die Prüflinge erklären:
– warum sie sich melden,
– welche Probleme die Kälte verursacht,
– was sie vom Vermieter verlangen,
– was sie tun wollen, wenn er weiter nichts unternimmt.
Die Arbeitsanweisung erinnert zudem: „Vergessen Sie nicht die Anrede und den Gruß.“
Nicht der erste Betrugsfall

Betrug rund um Deutsch-Tests beschäftigt die Behörden schon länger. Im März 2024 berichtete der WDR, dass Prüfungsfragen und Antworten für den Deutsch-Test für Zuwanderer über Telegram verkauft worden seien – ein Mitarbeiter erhielt sie nach eigenen Angaben für 250 Euro, zwei Tage vor dem Prüfungstermin. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kündigte damals „schwerwiegende Konsequenzen“ für beteiligte Institute an.
Anfang 2026 deckte die Polizei in Nürnberg zudem einen Ring auf, der Stellvertreter mit gefälschten Ausweisen in Deutsch- und Einbürgerungstests geschickt haben soll. Kunden zahlten laut Polizei 2.500 bis 6.000 Euro pro Prüfung. Mit der neuen Verordnung reagiert das Innenministerium nun auf die Betrugsversuche in den Deutsch-Tests selbst.