Am Mittwochabend wurde Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger leblos in einem Hotelzimmer gefunden. Jetzt liegt ein erstes Ergebnis der Obduktion vor. Die Ermittler äußern sich zu der Frage, die seit dem Abend viele Menschen beschäftigt – während Weggefährten noch immer nicht fassen können, was passiert ist.
Eine Nachricht, die Bayern erschüttert

Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger hat die Politik in ganz Deutschland erschüttert. Der Chef der Freien Wähler war am Mittwoch (4. November) überraschend gestorben. Seitdem ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin, wie es dazu kam.
Am Donnerstag haben die Ermittler nun ein erstes Ergebnis der Obduktion bekanntgegeben. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.
Das sagt das erste Obduktionsergebnis

Die Obduktion fand laut „20 Minuten“ am Donnerstagvormittag statt. Nach dem vorläufigen Ergebnis gibt es laut der Berliner Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden. Ein Verbrechen schließen die Ermittler nach dem bisherigen Stand der rechtsmedizinischen Untersuchung also aus.
Abgeschlossen ist der Fall damit aber nicht. Das ist bisher bekannt (Stand: 5. November, Nachmittag):
– Fremdverschulden: laut vorläufigem Obduktionsergebnis keine Anhaltspunkte.
– Todesursache: offiziell noch nicht bekanntgegeben.
– Weitere Untersuchungen: Weitere rechtsmedizinische Untersuchungen stehen laut Staatsanwaltschaft noch aus.
– Ermittlungen: Polizei und Generalstaatsanwaltschaft Berlin klären weiter die genaue Ursache und den Hergang des Todes.
Schon am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft das Ziel des sogenannten Todesermittlungsverfahrens erklärt: Es gehe darum, „die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden“ und ein Fremdverschulden auszuschließen. Ein solches Verfahren ist bei plötzlichen Todesfällen üblich und richtet sich gegen niemanden.
Der letzte Tag in Berlin

Aiwanger war in Berlin, weil die Freien Wähler dort ein Hauptstadtbüro eröffneten. Er sollte bei der Eröffnung sprechen. Doch schon am Morgen ging es ihm laut „Tagesspiegel“ nicht gut. So verliefen die letzten Stunden nach Angaben von Ermittlern und Medien:
| Zeitpunkt | Was geschah |
|---|---|
| Mittwoch, Morgen | Aiwanger sagt laut „Tagesspiegel“ ein geplantes Interview ab, weil er sich unwohl fühlt. |
| Mittwoch, Mittag | Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) wollte laut dpa mit ihm in Berlin zu Mittag essen. |
| Mittwoch, Nachmittag | Aiwanger sagt seine Rede bei der Büroeröffnung aus gesundheitlichen Gründen ab. Mehring springt für ihn ein. |
| Mittwoch, früher Abend | Aiwanger ist nicht mehr erreichbar und wird leblos in seinem Hotelzimmer nahe dem Bahnhof Friedrichstraße gefunden. |
| Mittwoch, gegen 22.30 Uhr | Laut „Tagesspiegel“ treffen Mordkommission, Kriminaltechnik und Rechtsmedizin im Hotel ein. |
| Donnerstag, Vormittag | Obduktion in Berlin. |
| Donnerstag | Staatsanwaltschaft: vorläufig keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden. |
Mehring sagte der dpa, der Tod seines Parteichefs fühle sich „komplett surreal“ an.
Merz und Söder tief betroffen

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat auf den Tod reagiert. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte laut t-online:
„Bundeskanzler Friedrich Merz ist tief betroffen vom Tod Hubert Aiwangers.“
Regierungssprecher Stefan Kornelius, zitiert nach t-online
Mit Aiwanger verliere die Bundesrepublik „einen streitbaren Politiker“, der leidenschaftlich für seine Überzeugungen eingetreten sei, so Kornelius.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), mit dem Aiwanger seit 2018 in einer Koalition regierte, schrieb bereits am Mittwoch auf X: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie.“ Am Donnerstag sagte er laut t-online: „Der Tod von Hubert Aiwanger ist ein Schock.“
Söder ordnete für Donnerstag Trauerbeflaggung an allen staatlichen Gebäuden in Bayern an. Auch am Tag der Beerdigung sollen die Flaggen auf halbmast wehen. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.
„Immer noch fassungslos“

In seiner Partei sitzt der Schock tief. Christian Wilhelm, Landrat im Oberallgäu und Mitglied der Freien Wähler, sagte laut „Allgäu Hit“:
„Ich bin ehrlich gesagt immer noch fassungslos und auch schockiert.“
Christian Wilhelm, Landrat (Freie Wähler), zitiert nach „Allgäu Hit“
Die Landtagsabgeordnete Ulrike Müller, die zwei Jahrzehnte mit Aiwanger zusammengearbeitet hat, sagte: „Hubert ist nicht zu ersetzen. Und das will auch keiner und das kann auch keiner.“ Landtags-Vizepräsident Alexander Hold nannte ihn „wohl der am meisten unterschätzte Politiker in Deutschland“.
Auch über Parteigrenzen hinweg ist die Bestürzung groß. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) sprach laut „Tagesspiegel“ von einem „schweren Verlust für den Bayerischen Landtag“. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) schrieb: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger bestürzt mich sehr.“
Wie es jetzt weitergeht

Im bayerischen Wirtschaftsministerium übernimmt vorerst Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) die Amtsgeschäfte. Er kehrte dafür laut „Berliner Kurier“ von einer Delegationsreise nach Singapur zurück.
Die Freien Wähler müssen sich nun neu aufstellen, denn Aiwanger führte die Partei in Bayern und im Bund. Laut „Allgäu Hit“ wollen Landtagsfraktion und Landesvorstand am Samstag über das weitere Vorgehen beraten. Der geplante Bundesparteitag in Geiselwind wurde abgesagt. Söder sagte, man werde die Arbeit mit den Freien Wählern „in seinem Sinne, in unserem Sinne“ fortsetzen.
Hubert Aiwanger wurde 55 Jahre alt. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin, die Landrätin Tanja Schweiger, und zwei Kinder. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und allen, die um ihn trauern.
Mehr zu den ersten Stunden nach der Todesnachricht lesen Sie hier: Er sagte noch kurzfristig ab – dann die Schock-Nachricht